Primerjava onomazioloških klasifikacij na področju frazeologije
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(3) UNIVERZA V MARIBORU FILOZOFSKA FAKULTETA Oddelek za germanistiko. Diplomsko delo. Primerjava onomazioloških klasifikacij na področju frazeologije. Diplomarbeit. Der Vergleich onomasiologischer Klassifikationen im Bereich der Phraseologie. Mentorica:. Kandidatka:. doc. dr. Melanija Larisa Fabčič. Vesna Kmetec. Maribor, 2016.
(4) Lektorica: Mateja Lašič, prof. slovenščine in nemščine.
(5) Zahvala. Zahvaljujem se mentorici doc. dr. Melaniji Larisi Fabčič za strokovno vodenje, usmerjanje in natančno spremljanje te diplomske naloge.. Zahvala gre prijateljicam in fantu, ki so mi ob študiju in pisanju naloge stali ob strani, me spodbujali in mi pomagali.. Na koncu želim delo posvetiti pokojnin staršem, ki so mi omogočili šolanje in me vedno spodbujali.. Danksagung. Ich danke meiner Mentorin doc. dr. Melanija Larisa Fabčič für ihre professionelle Führung und genaue Überwachung der Arbeit.. Dank geht an meine Freundinnen und meinem Lebensgefärten, die mir während des Studiums und Schreibens der Diplomarbeit zur Seite standen, mich ermutigten und mir halfen.. Letztlich möchte ich die Diplomarbeit meinen verstorbenen Eltern widmen, die mir das Studium ermöglicht haben und mich immer ermutigt haben..
(6) Koroška cesta 160 2000 Maribor, Slovenija. IZJAVA Podpisani-a Vesna Kmetec, rojen-a 23.10.1987, študent-ka Filozofske fakultete Univerze v Mariboru, smer Nemški jezik s književnostjo in Zgodovina, izjavljam, da je diplomsko delo z naslovom »Primerjava onomazioloških klasifikacij na področju frazeologije« pri mentorju/-ici dr. Melaniji Larisi Fabčič, avtorsko delo.. V diplomskem delu so uporabljeni viri in literatura korektno navedeni; teksti niso prepisani brez navedbe avtorjev.. (podpis študenta-ke). Kraj, Maribor Datum, 6. 5. 2016.
(7) Zusammenfassung. Onomasiologische. Klassifikationen. sind. eine. wichtige. Hilfe. um. eine. aktive. phraseologische Kompetenz zu erwerben. In meiner Diplomarbeit beschäftige ich mit einigen Beispielen von onomasiologischen Klassifikationen, stelle sie vor und vergleiche sie. Die Diplomarbeit besteht aus einem theoretischen Teil und einem empirischen Teil. Im theoretischen Teil mache ich eine kleine Einführung in die Forschungsbereiche, die für das Thema wichtig sind, dazu gehört auch die Beschäftigung mit Sprichwörtern, vor allem mit der Semantik von Sprichwörtern. Im empirischen Teil arbeite ich mit der SprichWort-Datenbank, analysiere ihre Struktur und mache ein eigenen Vorschlag für eine onomasiologische Klassifikation des Sprichwortbestands. Schlüsselwörter: Sprichwort, Phrasem, Phraseologie, Parömiologie, Onomasiologie, Lexikologie, SprichWort-Datenbank Povzetek Onomaziološke klasifikacije so v veliko pomoč pri razvijanju aktivne frazeološke kompetence. V moji diplomski nalogi sem obravnavala par primerov onomazioloških klasifikacij, ki sem jih predstavila in primerjala. Diplomska naloga je sestavljena iz teoretičnega in empiričnega dela. V teoretičnem delu sem naredila kratek uvod v raziskovalna področja, ki so pomembna za to temo, kar vključuje tudi pregovore, še posebej semantiko pregovorov. V empiričnem delu sem delala s podatkovno bazo pregovorov SprichWort, analizirala sem njeno strukturo in podala moj lasten predlog za onomaziološko klasifikacijo teh pregovorov. Ključne. besede:. Pregovor,. frazem,. frazeologija,. leksikologija, podatkovna baza SprichWort. paremiologija,. onomaziologija,.
(8) Inhaltsverzeichnis. 1 Einleitung ..................................................................................................................... 1 2 Einführung in die Forschungsbereiche ......................................................................... 2 2.1 Lexikologie und Semantik ...................................................................................... 2 2.2 Onomasiologie ...................................................................................................... 5 2.3 Phraseologie und Parömiologie ........................................................................... 11 3 Sprichwörter ............................................................................................................... 12 3.1 Begriffsdefinition .................................................................................................. 12 3.2 Abgrenzung von anderen Phraseologismen ........................................................ 15 3.3 Funktion und Struktur .......................................................................................... 19 3.4 Zur Semantik von Sprichwörtern .......................................................................... 21 4 Einige onomasiologische Klassifikationen des phraseologischen Materials /von phraseologischen Einheiten im Vergleich ...................................................................... 23 4.1 Regina Hessky und Stefan Ettinger: Deutsche Redewendungen ......................... 23 4.2 Herbert Görner: Redensarten, kleine Idiomatik der deutschen Sprache .............. 25 4.3 Hans Schemann: Synonymwörterbuch der deutschen Redensarten ................... 27 4.4 EPHRAS (Ein mehrsprachiges phraseologisches Lernmaterial) .......................... 31 4.5 Karl Simrock: Die deutschen Sprichwörter ........................................................... 32 4.6 Die Klassifikationen im Vergleich ......................................................................... 33 5 Empirischer Teil ......................................................................................................... 35 5.1 Ziele des empirischen Teils ................................................................................. 35 5.2 Die Sprichwort-Plattform ...................................................................................... 35 5.3 Analyse ............................................................................................................... 36 5.4 Vorschlag einer onomasiologischen Klassifikation des Sprichwortbestandes ...... 40 5.4.1 A Menschliche Innenwelt .............................................................................. 42 5.4.2 B Menschliche Außenwelt ............................................................................. 45 5.4.3 C Zwischenmenschliche Beziehungen.......................................................... 53 5.4.4 D Alltagspsychologie .................................................................................... 61 6 Zusammenfassung ..................................................................................................... 72 7 Literaturverzeichnis .................................................................................................... 74. Tabellenverzeichnis Tabelle 1: Einordnung der Sprichwörter nach verschiedenen Autoren .......................... 15. I.
(9) 1 Einleitung In meiner Diplomarbeit beschäftige ich mich mit onomasiologischen Klassifikationen und Sprichwörtern. Sprichwörter sind ein wichtiger Teil unserer Sprache und kommen in allen möglichen Situationen vor. Sie bringen allgemeines Wissen in die Kommunikation und erleichtern bzw. bereichern sie. Wir finden sie sowohl in der schriftlichen Sprache als auch in der mündlichen. Sie sind ein Phänomen, das sich über Jahrhunderte lang erhalten hat und das noch heute aktuell ist. Im Kern beinhalten sie noch immer die alten Weisheiten, die sich auf diese Weise von Generation zu Generation erhalten haben.. Onomasiologie ist ein Teilgebiet der Semantik, eine Sichtweise, die vom Begriff ausgeht und dazu passende Ausdrücke sucht. Die natürlichen Ordnung des Wortschatzes folgt einer solchen thematischen Gliederung, deshalb ist die onomasiologische Sicht wichtig. Onomasiologische Klassifikationen ermöglichen uns eine Sprache bzw. Teile einer Sprache systematisch darzustellen. Es gibt verschiedene onomasiologische Quellen. In meiner Diplomarbeit werde ich fünf Beispiele vorstellen und sie vergleichen.. Im empirischen Teil werde ich mit der Datenbank des Projekts SprichWort arbeiten und versuchen den Sprichwortbestand onomasiologisch zu ordnen. Sprichwörter gehören zum Bereich der Phraseologie, je nach Autor sind sie jedoch anders definiert und verschieden eingeordnet, was die Beschäftigung mit Sprichwörtern auch erschweren kann, weil nicht immer klar ist, was die Autoren zu einem Sprichwort zählen. Aus diesem Grund werde ich in meiner Arbeit auch die Darstellung der verschiedenen Definitionen und Einordnungen des Begriffs Sprichwort vorstellen. Bei der Einführung in die Forschungsbereiche habe ich die deskriptive Methode verwendet, wie auch bei der Vorstellung der onomasiologischen Klassifikationen. Die komparative. Methode. wird. beim. Vergleich. onomasiologischer. Klassifikationen. verwendet. Die Methode der Analyse und Synthese kommt im empirischen Teil vor, in dem ich die Struktur der SprichWort-Datenbank analysieren werde. Bei meinem Vorschlag einer onomasiologischen Klassifikation wird das Klassifikationsverfahren verwendet.. 1.
(10) 2 Einführung in die Forschungsbereiche Am Anfang meiner Arbeit möchte ich eine kleine theoretische Einführung machen in die Forschungsbereiche, die für diese Diplomarbeit wichtig sind, machen. Als erstes in die Lexikologie und Semantik, da beide Forschungsdisziplinen wichtig sind, wenn man sich mit Wörtern und ihren Bedeutungen beschäftig. Da auch die Onomasiologie ein wichtiger Bestandteil meiner Diplomarbeit ist, werde ich im theoretischen Teil erklären, was das ist. Am Schluss widme ich mich noch der Phraseologie und Parömiologie, da Sprichwörter das eigentliche Thema meiner Arbeit darstellen.. 2.1 Lexikologie und Semantik Das Wort „Lexikologie“ leitet sich aus dem Griechischen ab und bedeutet „Lehre von den Wörtern“. (Römer 2005: 1) Als sprachwissenschaftliche Disziplin ist die Lexikologie noch sehr jung. Erst in den 60er Jahren wird in der deutschsprachigen Linguistik die Bezeichnung „Lexikologie“ verwendet, stark beeinflusst durch die sowjetische Forschung. Die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Wort ist jedoch so alt, wie die Beschäftigung mit der Sprache überhaupt (vgl. Schippan 2002: 18).. Lexikologie steht in enger Beziehung zur Lexikographie, die sich mit dem Erstellen von Wörterbüchern beschäftigt. Sie wendet die Ergebnisse der Lexikologie an und auf der anderen Seite erhält die Lexikologie von ihr wissenschaftliche Impulse und Forschungsanstoße. Dennoch betrachtet man Lexikographie nicht als Teildisziplin der Lexikologie (vgl. Schippan 2002:53). „In der Lexikologie wird untersucht, wie verschiedene Wortbedeutungen untereinander und mit den Entitäten unserer Vorstellungen in Beziehung stehen“ (Pörings, Schmitz, 2003: 27). Es gibt zwei Verfahrensweisen (Semasiologie und Onomasiologie), die ich im nächsten Kapitel vorstellen werde (vgl. Pörings, Schmitz, 2003: 27). Lexikologie. ist. für. diese. Diplomarbeit. von. Bedeutung,. da. Sprichwörter. als. Wortgruppenlexeme Teil dieser Forschungsdisziplin sind. Sprichwörter (Sätze und Phrasen) werden als ein Lexem betrachtet und bilden im Lexikon einen Eintrag.. 2.
(11) Der Terminus „Semantik“ kann in unterschiedlichen Varianten benutzt werden: Zum einen benutzt man „Semantik“, um auf das in unserem Langzeitgedächtnis gespeicherte linguistischer. Kenntnissystem Forschung).. zu. Zum. referieren. anderen. (Untersuchungsgegenstand. versteht. man. „Semantik“. als. Forschungsdisziplin, also die Wissenschaft, die sich mit diesem mentalen Kenntnissystem beschäftigt. Allgemein wird die Semantik als die Wissenschaft definiert, die sich mit Bedeutungen von sprachlichen Ausdrücken beschäftigt (Schwarz 2004: 15). Semantik ist für diese Diplomarbeit natürlich von großer Bedeutung, da ich mich im empirischen Teil bei der onomasiologischen Analyse mit der Bedeutung von Sprichwörtern beschäftigen werde. Unsere semantische Kompetenz ermöglicht das Verstehen und Produzieren von sinnvollen. Äußerungen,. aber. auch. das. Erkennen. und. Einordnen. von. Bedeutungsrelationen, die sprachliche Bezugnahme auf die Welt und die Fähigkeit, Sätze nach ihrem Sinn und Wahrheitsgehalt zu beurteilen (Schwarz 2004: 17). Mit dem Verstehen von Sätzen (was Sprichwörter ja sind) beschäftigt sich die Satzsemantik. Es geht um die Frage, wie wir Sätze verstehen, d. h. wie wir aus den einzelnen Wortbedeutungen und ihren Relationen im Satz die Satzbedeutung erfassen (vgl. Schwarz 2004: 18). „Zwischen Wörtern bzw. den Bedeutungen von Wörtern besteht eine Reihe von Beziehungen, die „semantische Relationen“ (auch: Sinnrelationen) „genant werden.“ (Schwarz 2004: 53). Die wichtigsten sind: Synonymie, Ambiguität (Mehrdeutigkeit),. Vagheit und Polysemie, Hyponymie und Hyperonymie, Kontradiktion und Antonymie. Da die Synonymie bei onomasiologischen Klassifikationen eine Rolle spielt, möchte ich auf sie weiter eingehen. Synonymie ist die Bedeutungsgleichheit bzw. Ähnlichkeit zwischen Wörtern. Der gleiche Inhalt wird verschiedenen Wortformen zugeordnet, so kann man in Sätzen Synonyme miteinander vertauschen, ohne dabei am Sinn der Sätze was zu verändern (vgl. Schwarz 2004: 54).. 3.
(12) Im mentalen Lexikon sind Bedeutungen von Wörtern in vielfältigen Relationen zu den Bedeutungen anderer Wörter abgespeichert. Aufgrund dieser Verbindungen lassen sich viele Wörter (einer Sprache) bestimmten globalen semantischen Organisationseinheiten, den Wortfeldern (semantischen Feldern/Bedeutungsfeldern) zuordnen. Ein solches Feld umfasst eine Reihe von Wörtern, die sich inhaltlich ähnlich sind (vgl. Schwarz 2004: 60). „Allgemein wird unter einem Wordfeld eine Menge von Wörtern verstanden, die zueinander in einer paradigmatischen Relation stehen.“(Schwarz 2004: 60). Bei Löbner (2003: 131) finden wir eine einfache Definition: „Ein Wortfeld ist eine Gruppe von Lexemen, die die folgenden Bedingungen erfüllt: -. die Lexeme gehören zu derselben grammatischen Kategorie,. -. ihre Bedeutungen haben gemeinsame Bestandteile,. -. zwischen ihnen bestehen klar definierte Bedeutungsbeziehungen,. -. die Gruppe ist bezüglich dieser Beziehungen abgeschlossen.“. Ein polysemer Ausdruck kann in zwei Bedeutungsvarianten zwei verschiedenen Wortfeldern zugeordnet werden, was die Ordnung nach Wortfeldern ziemlich kompliziert macht. Ein Wortfeld ist also eine Gesamtheit sinnverwandter Wörter, Synonyme dafür sind auch im semantischen, oder lexikalischen Feld verwendet (vgl. Wanzeck 2010: 17). Hier möchten wir ich noch erwähnen, dass G. Müller, in Abweichung von J. Trier und L. Weisgerber, zwischen »Wortfeld« (Begriffsfeld) und »Sprachfeld« (syntaktischem Feld) unterscheidet. In einem späteren Aufsatz benutzt er für das »Wortfeld« den Begriff »semantisches Feld« und für das »Sprachfeld« den Begriff »lexikalisches Feld« (zit. n. Geckeler 1971: 86).. Mit Hilfe von Wortfeldern kann man einen besonderen Typ von Begriffshierarchien bilden, sogenannte Taxonomien. „Eine Taxonomie (Klassifikationsschema) ist ein einheitliches Verfahren oder Modell, mit dem Objekte nach bestimmten Kriterien klassifiziert, das heißt in Kategorien oder Klassen eingeordnet werden.“1 Man arbeitet mit Hyperonymen (Oberbegriffen) und Hyponymen (Unterbegriffen), und zwar werden bei Taxonomien speziell solche Unterbegriffe gewählt, die eine Unterart von dem 1. http://de.wikipedia.org/wiki/Taxonomie, Zugriffsdatum:17. 5. 2014. 4.
(13) bezeichnen, was das Oberbegriff denotiert (z.B.: Tier -> Pferd, Kuh, Schwein usw.) (Löbner 2003: 133).. Neben der Taxonomie gibt es noch die Meronymie, die eine. Hierarchie von Begriffen ist, wo jeder Begriff mit mindestens einem anderen durch eine Teil-Ganzes-Relation verbunden ist. Ein guter Beispiel dafür ist die Meronymie der Körperteilbezeichnungen (Körper –> Rumpf –> Bauch, Brust) (Löbner 2003: 134,135). In meiner Diplomarbeit kommt oft der Ausdruck »Begriff« vor, deshalb möchte ich erklären, was überhaupt ein »Begriff« ist. »Ein Begriff bezieht sich gewöhnlich auf den Bedeutungsinhalt einer Vorstellung oder eines Worts. Ein Begriff stellt eine semantische Einheit dar und ein Wort eine sprachliche Einheit. Begriffe sind Bestandteile unseres Denkens.«2 Der Ausdruck »Begriff« kann auch mit dem Ausdruck »Konzept« ausgetauscht werden.. Konzept (Bedeutung). Form (Wort) Abbildung 1: Semiotisches Dreieck. Referent (Objekt) 3. Auf der einen Seite gibt es den Begriff (Konzept, Idee, Vorstellung) und auf der anderen das Zeichen (Wort, Ausdruck, Benennung) mit dem wir das Objekt (in der Welt) benennen. Die Traditionelle Bedeutungstheorie gleicht »Begriff« mit »Bedeutung« (Busse 2009: 33, 35). Die Bedeutung ist eine mentale Beschreibung und diese wird allgemein als Konzepte benannt (vgl. Löbner 2003: 24,25).. 2.2 Onomasiologie „Die Onomasiologie, oder auch Bezeichnungslehre genannt, ist ein Bereich der Semantik und darin der Lexikologie“ ( Voß 2011: 20). Durch ihre besondere Zielsetzung und Methode bei der Untersuchung des Wortschatzes (einer Sprache) hat sie eine besondere Rolle in der linguistischen Forschung. 2. http://definition-online.de/begriff/, Zugriffsdatum: 17. 5. 2014. Das semiotische Dreieck wurde von Ogden und Richards erstmals eingeführt (vgl. Pörings und Schmitz 2003: 31). 3. 5.
(14) Bei der onomasiologischen Methode wird nach Benennungen für Objekte und Sachverhalte gesucht, die dann in einer der Struktur der außersprachlichen Realität möglichts adäquaten Form der Darbietung angeordnet werden sollen. Eine solche onomasiologische (sachgruppenorientierte) Wortschatzdarstellung kann bereits das eigentliche Ziel onomasiologischer Forschung sein (Möhring 1992: 125, 126). Onomasiologische Wörterbücher werden als Nachschlagwerke zur Variation des Ausdrucks produziert. Sie können als Ausgangspunkt weitergehender Forschungen dienen, z. B: Untersuchung von Nominationsprozessen, für sachgruppenorientierte Strukturuntersuchung, zur Erarbeitung von Lehr- und Übungsmaterial für den Fremdsprachenunterricht u. a. Die Onomasiologie ist methodisch abzuheben von Wortfeldanalysen (Ipsen, Porzing, Trier, Weisgerber). Die Basis der onomasiologischen Methoden bildet die Strukturierung der außersprachlichen Realität, der sprachliche Benennungen. zugeordnet. werden.. Wortfeldforscher. untersuchen. dagegen. paradigmatische Beziehungen innerhalb des Wortschatzes (vgl. Möhring 1992:125,126).. In vielen praktischen Arbeiten zur Wortschatzstrukturierung wird terminologisch zwischen Onomasiologie und Wortfeldanalyse nicht unterschieden (z. B. Schumacher: Verben in Feldern) (vgl. Möhring 1992: 126). Meiner Meinung nach ist es wichtig, die beiden Begriffe zu unterscheiden, da die Onomasiologie noch viel mehr umfasst, als nur Wortfelder. Man könnte sagen, dass die Wortfeldforschung ein Teil der Onomasiologie ist.. Die Ordnung des Sprachmaterials nach Bedeutungs- oder Sachgruppen hat schon eine lange Tradition. Schon in der Antike gab es neben Lexika auch Onomastika, d. h. sachlich geordnete Wörtschätze (vgl. H. Geckler 1971: 96–97). „Für die germanistische onomasiologische Lexikographie war P. M. Rogets 1852 in London erschienener 'Thesaurus of Englisch Words and Phrases' von großer Bedeutung. Das Werk von D. Sanders 'Deutscher Sprachschatz geordnet nach Begriffen zur leichten Auffindung und Auswahl des passenden Ausdrucks' ist eng an die Begriffsgliederung von Rogets angelehnt.“ (Möhring 1992: 127). Ein wichtiges Beispiel für eine onomasiologische Klassifikation finden wir auch bei Franz Dornseiff bzw. in seinem Werk: Der Deutsche Wortschatz nach Sachgruppen. Dornseiff war der erste, der den deutschen Wortschatz. 6.
(15) onomasiologisch geordnet hat und zwar nach Sachgruppen. „Diese Begriffsgliederung die Dornseiff entwickelte, wurde von Hallig und von Wartburg kritisiert, weil „reine Stichwortgruppen“ in „einem manchmal engeren, manchmal loseren Zusammenhang aufeinanderfolgen und deren Anordnung keinen sorgfältig erwogenen und unbeirrt festgehaltenen Prinzipien folgt“ (Möhring 1992: 127, 128). Die Onomasiologie befasst sich (als lexikologische Disziplin) mit dem Inventar der Benennungseinheiten einer Sprache: den Benennungsprinzipien; Prinzipien der Auswahl von Benennungseinheiten; der Ordnung der Benennungseinheiten nach den Kriterien ihrer Benennungsfunktion, wie der Ordnung nach Sachgruppen, thematischen Reihen, onomasiologischen Gruppen; den Veränderungen im Benennungssystem (Schippan 2002: 31–32). Die Onomasiologie ist eine komplementäre Disziplin zur Semasiologie – der Bedeutungslehre. Semasiologie ist eine Wissenschaft der Wortbedeutung und fragt, was ein Lexem (Wort) bedeutet (vgl. Schippan 2002: 33,38). Der Vorführungsmodus von Spracherscheinungen kann also durch zwei Sehrichtungen dargestellt werden: Vom Wortklang zum Begriff – in den alphabetischen Wörterbüchern und vom Begriff zum Ausdruck –. was in onomasiologisch angelegten Wörterbüchern vorkommt (vgl.. Dornseiff 2004: 430). Wortinhalt, Begriff, Bedeutung. Wortklang, Bezeichnung, Ausdruck. loslösen. semasiologische Betrachtungsweise . verabreden. abmachen. schlappmachen onomasiologische Bedeutungsrichtung abmachen loslösen. herunternehmen herausreißen. Abbildung 2: Die semasiologische und onomasiologische Perspektive nach Dornseiff (2004: 430).. 7.
(16) Die semasiologische Perspektive beschäftigt sich mit der Wortbedeutung und nimmt das Wort als Ausgangspunkt für die Untersuchung: was ist seine Bedeutung und wie verändert sich diese in verschiedenen Texten. Bei der onomasiologischen Bedeutung ist das Objekt der Ausgangspunkt, und untersucht werden die Wörter, die für dieses Kategorienkonzept (oder dieses Objekt) verwendet werden können, sowie deren Verbindungen miteinander (vgl. Dornseiff 2004: 430 und Tafreschi 2005: 14).. Die onomasiologische Perspektive hat zwei Untersuchungsbereiche: 1. das Verhältnis des Kategorienkonzeptes oder der Objektklasse zu den verschiedenen Benennungsmöglichkeiten, 2. das Verhältnis dieser verschiedenen Benennungsmöglichkeiten untereinander. (Tafreschi 2005:14) Geeraerts trennt zwischen diesen beiden onomasiologischen Perspektiven, die erste nennt er pragmatisch und die zweite strukturell. Nur für die pragmatische, die sich. direkt. mit. den. Beziehungen. zwischen. Kategorienkonzept. und. Kategorienname beschäftigt, verwendet er die Bezeichnung onomasiologisch. Die zweite Perspektive gehört zur Wortfeldforschung und untersucht die Beziehungen zwischen den möglichen Wörtern für ein Kategorienkonzept (Tafreschi 2006: 14,15). Onomasiologisch. geordnetes. Material. ist. wichtig. für. die. Wörterbucharbeit,. die. Sprachpädagogik und für vergleichende Wortschatzstudien, denn jede Sprache gliedert einen Sachbereich anders auf. So können thematische Reihen und Sachgruppen zusammengestellt werden. Zu einer thematischen Reihe gehören Wörter, die gleiche Sach- oder Wirklichkeitsbezüge haben und ihren Sachbereich nach bestimmten Kriterien aufgliedern. Bei der Zusammenstellung thematischer Reihen stellt sich die Frage: Welche Benennungen (Wörter, Phraseologismen) stehen zur Verfügung, um die Sache zu benennen? (vgl. Schipann 2002: 34).. Bei der onomasiologischen Ordnung der Phraseme bzw. Phraseologismen geht es um die Zuordnung eines Phrasems zu einem oder mehreren semantischen Feldern, die in der bisherigen Phraseologie als Schlüssel-, Leit- oder Oberbegriffe (Hessy/Ettinger) bzw. als Felder (Schemann) bekannt sind, in der. 8.
(17) Linguistik (Lexikologie, Semantik) und Lexikografie jedoch als onomasiologische Gliederung, Ideografie, Deskriptoren-Clustering, Versprachlichung konzeptueller Domänen bezeichnet wurden. Eine thematische Gliederung entspricht der natürlichen Ordnung des Wortschatzes, somit der Phraseologie im Gedächtnis und ist deshalb fremdsprachendidaktisch wichtig (Jesenšek 2009:73).. Die onomasiologische Ordnung bringt jedoch mit sich einige Schwierigkeiten. Oft fehlen in. einer. Sprache. Schlüsselbegriffe,. die. eine. Gruppe. von. Phraseologismen. zusammenfassen würden und Lexikographen müssen dann den Begriff umschreiben, manche (Görner) helfen sich mit Neubildungen, was andere wiederum kritisieren. Eine Lösung, im Fall der Phraseologismen, ist die Erläuterung mit Hilfe eines Satzes, z. B. kein Geld mehr haben. Eine andere Schwierigkeit ist die semantische Vielschichtigkeit der Phraseologismen, wo ein Phraseologismus unter mehrere Schlüsselbegriffe eingeordnet werden kann, je nachdem, welcher Aspekt betont werden soll. Dobrovol'skij hat dieses Problem mit dem Verfahren »Deskriptoren-Clustering« gelöst. Es werden mehrere. Schlüsselbegriffe. aneinandergereiht. zu. einem. Bündel,. z.. B.. Mord/Tötung/Totschlag/Mordschlag/Mordabsichten. Eine wichtige Frage ist auch die Zahl der Schlüsselbegriffe, die in einer Klassifikation verwendet werden. Zu viele werden dem Benutzer keinen Überblick bieten und so nur wenig helfen (vgl. Hessky/Ettinger 1997: XXIV–XXVII). Ein wichtiges Beispiel für eine onomasiologische Klassifikation finden wir bei Franz Dornseiff bzw. in seinem Werk: Der Deutsche Wortschatz nach Sachgruppen. Die erste Auflage dieses Wörterbuchs erschien 1934 und bis heute gibt es schon 8 Auflagen. Dornseiff ordnete darin den deutschen Wortschatz nach Sachgruppen. „Dieses Werk ist bis heute das bedeutendste onomasiologische Wörterbuch der deutschen Sprache. Jedoch werden im Buch weder semantische noch stilistische Differenzierungen vermerkt, so erhalten wir keinen Einblick in die semantische Mikro- oder Mediostruktur.“ (Schippan 2002: 58).. 9.
(18) Der gesamte Wortschatz ist bei Dornseiff (2004: 47) in 22 Hauptgruppen geteilt: 1.. Natur und Umwelt. 12. Zeichen, Mitteilung, Sprache. 2.. Leben. 13. Wissenschaft. 3.. Raum, Lage, Form. 14. Kunst und Kultur. 4.. Größe, Menge, Zahl. 15. Menschliches zusammenleben. 5.. Wesen, Beziehung, Geschehnis. 16. Essen und Trinken. 6.. Ziel. 17. Sport und Freizeit. 7.. Sichtbarkeit, Licht, Farbe, Schall,. 18. Gesellschaft 19. Geräte, Technik. Temperatur, Gewicht, Aggregatzustände 8.. Ort und Ortsveränderung. 20. Wirtschaft, Finanzen. 9.. Wollen und Handeln. 21. Recht, Ethik. 10. Fühlen, Affekte, Charaktereigenschaften. 22. Religion, Übersinnliches. 11. Das Denken. Ein Beispiel aus dem Buch: 2.41 Töten -> 5.42 Zerstörung; 15.58 Gewalt; 18.29 Krieg; 21.27 Kriminalität; 21.34 Bestrafung Tötung Auslöschung Blutvergießen Gemetzel Metzelei Totschlag... (Dornseiff 2004, S. 29) Dornseiff hat mit den 22 Hauptgruppen eine überschauliche, aber auch detalierte Systematik erschaffen, die dem Benutzer einen guten Überblick bietet. In neueren Ausgaben haben sie sich auch immer bemüht die Gliederung noch zu verbessern. Das Werk ist in vielen Situationen nützlich, generell kann man sagen: immer dann, wenn sich jemand viel Mühe gibt mit seiner Wortauswahl. In seinem Buch schrieb er auch ein wichtigen Aufsatz (bzw. Einleitung) über „Wotschatzdarstellung und Bezeichnungslehre“,. in dem. er. die Vorteile einer. onomasiologischen Aufteilung darstellt. In dem schreibt er auch, dass es sehr nützlich wäre. Sprichwörter. verschiedener. Sprachen. in. onomasiologischer. Anordnung. darzustellen, weil man dann die Ausdruckmöglichkeiten dieser Sprachen gut vergleichen könnte. Man kann ihm nur zustimmen, deshalb beschäftige ich mich auch damit im empirischen Teil meiner Diplomarbeit.. 10.
(19) 2.3 Phraseologie und Parömiologie Die Phraseologie wird erst in seit relativ kurzer Zeit als eine selbstständige sprachwissenschaftliche Disziplin angesehen. Sie wird (von vielen) vor allem als Bestandteil der Lexikologie aufgefasst und beschäftigt sich mit Phraseologismen, d. h. mit festen Wortverbindungen (vgl. Schippan 2002: 46). Die Erforschung von Sprichwörtern hat eine lange Tradition und für diesen Wissenschaftszweig etwickelte sich der Name „Parömiologie“. Sie interessiert sich vor allem für die Herkunft der Sprichwörter, ihre „Wanderungen“, die Einbettung in sachkundliche, kultur- und sozialhistorische Zusammenhänge (vgl. Burger 2010: 106). Sprichwörter werden der Phraseologie zugeteilt, weil sie die Grundmerkmale des Phraseologismus aufweisen: sie sind polylexikalisch, fest und in unterschiedlichem Grade idiomatisch. Polylexikalisch bzw. mehrgliedrig heißt, die Phraseologismen bestehen aus mindestens zwei Wörtern. Entscheidend bei den satzwertigen Phraseologismen ist, dass sie von den Sprachteilnehmern als Bezeichnungseinheiten betrachtet werden, welche – wie Einzellexeme – im Lexikon gespeichert und von dort aus für die Textproduktion aufrufbar sind. Unabhängig davon bleiben die einzelnen Phraseologismus-Komponenten normalerweise weiterhin in freien Wortverbindungen verwendbar, sie bewahren ihren Lexemcharakter (vgl. Burger 2010: 108, Lüger 1999: 6– 7). „Sprichwörter können eine wörtliche Bedeutung haben, wie aus dem Augen, aus dem Sinn, sie können aber auch eine metaphorische Bedeutung besitzen, wie wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen. Die letzte Gruppe ist den metaphorischen Idiomen ähnlich“ (Roos 2001:18). „Manche Sprichwörter können sowohl wörtlich als auch übertragen verstanden werden, z. B. Wie der Vater so der Sohn. Die wörtliche Bedeutung kommt hervor, wenn wir von einem Vater-Sohn Verhältnis sprechen, die übertragene, wenn es um das allgemeine Verhältnis „Erzeuger-Produkt“ bzw. dem „Wechsel menschlicher Stimmungen“ geht.“ (Burger 2010:108–109, Lüger 1999: 72).. 11.
(20) 3 Sprichwörter 3.1 Begriffsdefinition Das Wort Sprichwort ist zusammengesetzt aus spätmhd. spriche und wort, beide Teile bedeuten dasselbe. Die Bedeutung ist die eines vielgesprochenen Wortes, wo Wort nicht ein einzelnes Wort, sondern einen in Worte gefaßten gedanken bezeichnet. Es gibt auch eine Redewendung jemanden oder eine Sache zum Sprichwort machen = in den Mund der Leute bringen, „zum Sprichwort werden“ (vgl. Seiler 1918: 1; 1922, 1). „Sprichwort ist sowohl in der Alltagssprache ein Begriff, wie auch eine wissenschaftliche Kategorie“ (Burger 2010: 109). Als Laie könnte man das Wort ganz einfach definieren, die meisten würden wahrscheinlich sagen: Es ist ein Satz, das eine alte allgemeine Weisheit trägt und über Jahrhunderte lang mündlich übertragen worden ist. Bei den wissenschaftlichen Untersuchungen ist es natürlich nicht so einfach. Schon seit der Antike hat man versucht eine umfassende Definition aufzustellen, doch bis heute erweist sich das als eine schwierige Aufgabe. Das Problem ist die Frage, wie unterscheidet man ein Sprichwort von geflügelten Wörtern, Aphorismen, Maximen, Sentenzen und Slogans. Dazu kommt noch der Unterschied zwischen dem Sprichwort und den sprichwörtlichen Redensarten (vgl. Mieder 2006: 17).. Eine grundlegende Definition finden wir bei Friedrich Seiler: Sprichwörter sind im Volksmund umlaufende, in sich geschlossene Sprüche von lehrhafter Tendenz und gehobener Form. Durch diese Begriffsbestimmung ist die Grenze gezogen einerseits gegen die sprichwörtlichen Redensarten. Diese sind zwar volkläufig, aber weder lehrhaften Charakter haben noch in sich geschlossen sind, und von den formgebenden Kunstmitteln steht ihnen nur die Bildhaftigkeit zur Verfügung. Anderseits gegen die Sinnsprüche und Sentenzen. Diese sind zwar in sich geschlossene und lehrhaft, haben auch in der Regel eine gehobene Form, sind aber nicht volkläufig. (Mieder, zit. n. Seiler 2006: 17). Eine ganz einfache und kurze Definition finden wir bei Wolfgang Mieder: „Sprichwörter sind allgemein bekannte, festgeprägte Sätze, die eine Lebensregel oder Weisheit in prägnanter, kurzer Form ausdrücken.“ (Röhrich, Mieder 1977: 4– 6.). 12.
(21) Und noch ein paar Definitionen: „Sie sind in sich geschlossene Sätze, die durch kein lexikalisches Element an den Kontext angeschlossen werden müssen.“ (Burger 2010: 106). „Ein Sprichwort ist ein kurzer Satz, der sich auf lange Erfahrung gründet.“ (Miguel de Cervantes, zit. n. Lewandowska 2008: 32). „Sprichwort, auch Proverb: knapp und treffend formulierte Lebensweisheit, die bestimmte gesellschaftliche Erfahrungen in hohem Grade verallgemeinert. Ihr Autor ist unbekannt; oft von volkstümlicher Bildhaftigkeit.“4 Das erste wichtige Merkmal ist die geschlossene Form; Sprichwörter sind ganze Sätze, deshalb können sie als selbstständige „Mikrotexte“ aufgefasst werden. Aus der Sicht der Sprachproduktion heißt das, dass sie als Einheiten abgerufen werden und keine textlinguistische Anpassung an den Kontext benötigen. Für die Rezeption bedeutet das, dass sie kontextfrei verstanden werden können, obwohl dies noch weiter definiert werden muss, weil es da auch Einschränkungen gibt (vgl. Burger 2010: 106). Ein anderes wichtiges Merkmal ist die Verwendung von Sprichwörter, sie müssen im allgemeinem Gebrauch sein, wenn sie nur in Büchern stehen, sind sie keine Sprichwörter. Sie müssen Menschen etwas sagen, sie sind für ihre Lebensauffassung und Lebensführung bedeutsam und deshalb merken wir uns auch diese Sätze. Damit sie sich im Gedächtnis der Menschen leichter einprägen und auch lange haften bleiben haben sie eine Form, die einfach zu merken ist und weitergegeben werden kann (vgl. Seiler 1918: 1–3). Das nächste wichtige Merkmal ist die lehrhafte Tendenz des Sprichworts: sie beinhalten eine Weisheit. Sie haben eine Wirkung auf den Menschen, beeinflussen seinen Willen, sein Handeln, seine Wünsche, Stimmungen und Gefühle. Diese Tendenz kann in verschiedenen Formen hervor kommen, es kann als Imperativ Form (Nimm zwei Bissen, wenn einer zu groß ist) oder Erfahrungssatz (Wer viele Handwerke zugleich lernt, lernt selten eines wohl) vorkommen (vgl. Seiler 1918: 3–4; 1922: 3).. 4. http://de.wikipedia.org/wiki/Sprichwort, Zugriffsdatum: 18. 5. 2014, zit. n. Lexikon sprachwissenschaftlicher Termini, VEB Bibliographisches Institut Leipzig, Leipzig 1985, S. 227.. 13.
(22) Anna Lewandowska hat in ihrer Arbeit die begrifflichen Konflikte bei der Definition vom Sprichwort sehr gut dargestellt. Sie hat drei Positionen dargestellt: die formalistiche, die funktionalistische und die intuitionistische. Die formalistiche Position betrifft die Form und damit die Unterscheidung von anderen Phraseologismen, worauf ich im nächsten Abschnitt näher eingehen werde. Bei der funktionalistischen Position haben viele Forscher die gemeinsamen Funktionen von Sprüchen in den Vordergrund gestellt. Die intuitionistische Position befasst sich mit der “parömischen Intuition“, wo die Forscher versuchen das Alltagsverständnis des Sprichworts zu untersuchen (vgl. Lewandowska 2008: 32–39). „Am Ende kommen wir leider zu der Feststellung, dass es noch immer keine endgültige und umfassende Definition des Sprichworts gibt.“ (Lewandowska 2008: 37). Es gibt Menschen, die sagen, dass Sprichwörter heute nicht mehr aktuell sind und sie aussterben, doch wenn man wirklich aufmerksam ist, kann man schnell merken, dass solche Aussagen nicht stimmen. Gerade in den Massenmedien sind sie sehr beliebt und aktuell. Sie treten oft in ihrem traditionellen Wortlaut auf, doch noch beliebter sind innovative Variationen. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert kam es so zu einer Blütezeit von Antisprichwörtern, wie sie Mieder benannt hat. Dabei handelt es sich um sprachspielerische Variation sprichwörtlicher Sprache in Form von Aphorismen, Werbeslogans, Schlagzeilen und Graffitisprüchen, z. B. Irren ist männlich (menschlich). (vgl. Mieder 2006: 27).. 14.
(23) 3.2 Abgrenzung von anderen Phraseologismen Die Teilung der satzwertigen Phraseologismen ist ein sehr komplexes Verfahren, je nach Autor können sie verschieden eingeteilt werden.. Ein kleines Beispiel zeigt diese Tabelle: Neue Besen. Pilz (1978, 1981). Burger (1982). Fleischer (1982). Gläser (1986). Sprichwörter. Sprichwörter. (Sprichwörter). Sprichwort. kehren. Andere Länder,. Gemeinplätze:. andere Sitten.. Erfahrungssatz. Man lebt nur. Gemeinplätze. Gemeinplätze. Truismus. einmal. Quasitautologie. Genug ist genug. Leisung muß. geflügeltes Wort. geflügeltes Wort. sich wieder. (geflügeltes. Zitat, geflügeltes. Wort). Wort. lohnen. Tabelle 1: Einordnung der Sprichwörter nach verschiedenen Autoren. 5. Das erste Problem bei der Klassifikation ist die Auswahl der Kategorien und Bezeichnungen: die Autoren verwenden nicht immer die gleichen Begriffe und erklären den selben Begriff nicht immer gleich. Als nächstes sind die Kriterien, nach denen sie die Phraseologismen einteilen, auch unterschiedlich, sie können sich nach der Form, der Funktion, der Idiomatizität usw. orientieren. Eine Bassisklassifikation, die wir bei Burger finden, ordnet die Sprichwörter unter die referentiellen Phraseologismen: diese beziehen sich auf Objekte, Vorgänge oder Sachverhalte der Wirklichkeit („reale“ und fiktive Welt). Innerhalb dieser gibt es eine Zweiteilung nach dem semantischem Kriterium, je nach dem, ob sie Objekte und Vorgänge bezeichnen, oder ob sie als Aussagen über Objekte und Vorgänge fungieren (Morgenstund hat Gold im Mund).. 5. Lüger Heinz-Helmut (1999): Satzwertige Phraseologismen, S. 29–30. (In Klammern gesetzte Ausdrücke sind entweder von anderer Seite übernommene Termini, oder es handelt sich um Begriffe, die sprachliche Phänomene benennen, welche als nicht zum Bereich der Phraseologie gehörig betrachtet werden.). 15.
(24) Phraseologismen. referentiell. strukturell. nominativ. propositional. satzgliedwertig. kommunikativ. satzwertig. Klassifikation nach Burger. textwertig. 6. Die satzwertigen/propositionalen Phraseologismen teilt er in zwei große Gruppen: -. feste Phrasen und. -. topische Formeln.. Sprichwörter werden neben den Gemeinplätzen zu den topischen Formeln zugeteilt. „Es handelt sich um satzwertige Formulierungen, die durch kein lexikalisches Element an den Kontext angeschlossen werden müssen“ (Burger 2010: 38–41). Propositionale Phraseologismen. feste Phrasen. topische Formeln. Sprichwörter Klassifikation nach Burger. Gemeinplätze 7. Bei Helmuth Feilke, der über linguistische Stereotypen spricht, finden wir eine andere Klassifikation. Er teilt Sprichwörter (neben den Gemeinplätzen) zu den pragmatischen Stereotypen, unter die Aussagestereotypen und Interpretationsstereotypen.8 Sprichwörter sind zum Teil Aussprüche und Sentenzen von Dichtern und Denkern, die vom Volk übernommen worden sind, sie sind literarischer Herkunft, zum Teil auch im Volke selbst entstanden, also populären Ursprungs. Jedes Sprichwort ist erst von einer 6. Burger Harald (2010): Phraseologie, S. 37. Burger Harald (2010): Phraseologie, S. 42. 8 Feilke, H. (1989): Funktionen verbaler Stereotype für die alltagssprachliche Wissensorganisation. In: Clemens Knobloch (Hg.): Kognition und Kommunikation. S. 137–156. Die ganze Klassifikation auf S.140. 7. 16.
(25) bestimmten Person erfunden worden, danach wurde das von anderen aufgenommen und ist mit der Zeit in weite Kreise einer Gemeinschaft eingegangen und gebraucht worden (vgl. Seiler 1918: 7). Ein großer Anteil deutscher Sprichwörter war längst in mündlichem Umlauf, bevor sich die deutsche Sprache überhaupt entwickelt hat. Um die Entwicklungslinien eines Sprichworts zu analysieren bedarf es einer aufwendigen Studie, wo die Forschung bis zu antiken Quellen reichen kann. Das Sprichwort Die großen Fische fressen die kleinen konnte zum Beispiel bis zu griechischen Quellen aus dem 8. Jh. v. Chr. belegt werden (vgl. Mieder 2006: 21). Sprichwörter sind einer Zahl anderen Spruchgattungen ähnlich und so kommt es oft zur Frage, wie werden sie davon unterschieden. Grundlagen der Unterscheidung sind Differenz in der sprachlichen Form und Unterschiede, die ihre Tradition bzw. Herkunft betreffen (vgl. Ledawonska 2008: 34). Den Sprichwörtern eng verwandt sind die Gemeinplätze. Sie werden meistens durch ein semantisches Kriterium abgegrenzt: Gemeinplätze formulieren keine „neuen“ Einsichten, sondern. Selbstverständlichkeiten. (sie. werden. auch. „Evidenzformeln“. oder. Evidenzaussagen“ genant); z. B. Was sein muss, muss sein (vgl. Burger 2010: 41, 109).. Als Sonderformen des Sprichworts werden von einigen die Wellerismen (auch Sagwort genannt) klassifiziert. Sie bestehen in der Regel aus drei Teilen, dem Basis-Sprichwort, dem Mittelteil, in dem der Sprecher dieses Ausspruchs eingeführt wird, und dem Schlüsselteil, der die Situation angibt, in der das Wort gesprochen wird,9 z. B. „Ehrlich währt am längsten, sagte der Bauer, weil sie am wenigsten gebraucht wird“ (Lewandowska zit. n. Mieder 2008: 34). Eine weitere wichtige Unterscheidung haben wir bei den Sprichwörtern und sprichwörtlichen. Redensarten.. Bei. dieser. Abgrenzung. ist. der. Begriff. des. abgeschlossenen Textes wichtig. Wie schon erwähnt können Sprichwörter immer – unabhängig von ihrer Struktur – alleine ohne jeden Kontext eine Aussage bilden. Sprichwörtliche Redensarten brauchen für ihre sprachliche Realisierung immer einen 9. Lewandowska zit. n. Mieder (2008), S. 34.. 17.
(26) sprachlichen oder situativen Kontext.10 Mieder bezeichnet sprichwörtliche Redensarten aus diesem Grund „ungeformter sprachlicher Rochstoff“. Die Abgrenzung wird noch schwieriger, wenn sprichwörtliche Redensarten im „Gewand eines Sprichworts erscheinen“ (Lewadondowska zit. n. Röhrich/Mieder 2008: 35) . Geflügelte Worte sind feste sprachliche Fügungen, die allgemein bekannt sind und die auf eine literarische bzw. historische Person (mit großer Wahrscheinlichkeit) zurückgeführt werden können. Der Terminus wurde von G. Büchmann geprägt, dessen Sammlung „Geflügelte Worte“ 1864 zum ersten Male erschien. In der 18. Auflage (1895) wird der Begriff wie folgt bestimmt: „Ein geflügeltes Wort ist ein in weiten Kreisen des Vaterlandes dauernd angeführter Ausspruch, Ausdruck oder Name, gleichviel welcher Sprache, dessen historischer Urheber, oder dessen literarischer Ursprung nachweisbar ist...“ (Fleischer 1982: 19–20). Mit Aphorismus (gr. Verb für „abgrenzen, definieren“) wurden in der Medizin und Naturwissenschaft der Antike überlieferte Ratschläge oder Erkenntnisse bezeichnet. Später wurden in diese Form auch Aussagen philosophischer, moralischer usw. Inhalte gebracht. Er stellt eine Art Gegenpol zum Sprichwort dar. Für ihn ist charakteristisch, dass weniger Verhaltensweisen und Erkenntnisse lehrhaft vermittelt als vielmehr in Frage gestellt werden (vgl. Fleischer 1982: 85). Sentenz (lat. Sententia „Meinung“) hat, wie das Sprichwort, eine lehrhafte Tendenz. Sie entstammt gewöhnlich einem künstlerischem Werk und gibt in knapper und verständlicher, einprägsamer Form eine für das praktische Leben bedeutsame Erkenntnis wieder. Sie ist, wie das Sprichwort, in allgemeinem Gebrauch und die Grenzen zwischen Sentenz, geflügeltem Wort und Sprichwort sind daher recht fließend. „Geflügeltes Wort“ ist der Oberbegriff und die Sentenzen sind dann diejenigen geflügelten Worte, die als Satzstrukturen festgeprägt umlaufen und aus belletristischen Werken stammen: „Der Starke ist am mächtigsten allein“ (F. Schiller, W. Tell) (vgl. Fleischer 1982: 85–86).. 10. Lewandowska zit. n. Eismann/Grzybek (2008), S. 35.. 18.
(27) Maxime bezeichnet einen ursprünglich aus der Logik hervorgegangenen Begriff, der im Französischen in die Moralistik einging und seitdem im Sinne von „oberste persönliche Lebensregel, persönlicher Grundsatz des Wollens und Handelns“ verwendet wird.11 Sie stehen dem Aphorismus nahe, und vieles von dem, was Goethe unter dem Titel „Maximen und Reflexionen“ veröffentlichte, ließe sich auch ohne weiteres als Aphorismus bezeichnen, obwohl man im allgemeinen Sprachgebrauch darunter ehe eine „allgemeine Lebensregel“ versteht. Beispiel Goethes: „Altes Fundament ehrt, darf aber das Recht nicht aufheben, irgendwo wieder einmal von vorn zu gründen.“ (vgl. Fleischer 1982: 86).. 3.3 Funktion und Struktur Sprichwörter haben im Laufe der deutschen Sprach- und Literaturgeschichte einen deutlichen Funktionswandel durchgemacht. In spätmittelalterlicher Literatur hatten sie die rhetorische Funktion des „Redeschmucks“ (vgl. Burger 2010: 110). Sprichwörter, die die Form von Feststellungen, Behauptungen usw. haben, werden in kommunikativen Zusammenhängen als Warnungen, Drohungen usw. verwendet. Die soziale Funktion des Sprichworts realisiert sich in der Interaktion in verschiedenen kontextuellen Funktionen, deshalb ist der Kontext beim Verstehen von Sprichwörtern wichtig. Es handelt sich zwar um geschlossene Sätze, die man auch ohne Kontext verstehen kann, jedoch kommt erst in der Situation die Bedeutung zum Vorschein (vgl. Burger 2010: 114) . Sprichwörter können auch als Argument, Bestätigung, Trost, Mahnung, Feststellung, Erklärung, Rechtfertigung, Zusammenfassung usw. fungieren und es ist auch möglich, dass ein Sprichwort in verschiedenen Situationen verschiedene Funktionswerte übernimmt. Ende gut, alles gut kann z. B. als Feststellung, Rechtfertigung, Argument etc. benutzt werden (vgl. Lewandowska 2008: 107) . „Die Wirkungskraft und Verbreitung eines Sprichworts beruht nicht nur auf der Wahrheit und seiner Weltauffassung, sondern auch auf seiner inneren und äußeren Form“ (Burger 2010:114). Wir können bei den Sprichwörtern von einer inneren und äußeren Form 11. http://www.dwds.de/?qu=maxime, Zugiffsdatum: 6. 10. 2015.. 19.
(28) sprechen. Das wichtigste Mittel der inneren Form ist die Bildhaftigkeit oder Bildlichkeit. Das Sprichwort hebt aus einer allgemeineren Erscheinung einen konkreten Einzelfall heraus, der dann als Stellvertreter des abstrakten Gedankens diesen durch das Bild das er gibt, zugleich verdeutlich und verhüllt. Statt zu sagen: „Nicht alles, was äußerlich einen schönen Schein hat, ist auch innerlich wertvoll“ (Seiler 1922: 150), sagt das Sprichwort: Es ist nicht alles Gold was glänzt (vgl. Seiler 1922: 149–150). Zur inneren Form gehören auch die Beseelung und Personifikation. Aus abstrakten Begriffen und leblosen Gegenständen macht das Sprichwort ein lebendes Wesen, eine Person oder auch ein Tier. Beispiele dafür sind: Der Frühling ist gekommen, der Winter ist gegangen, Morgenstund hat Gold im Munde, Voller Bauch studiert nicht gern, Der Neid ist eine Natter, Eile mit Weile (vgl. Seiler 1922: 153–156). Oft finden wir bei Sprichwörtern auch verschiedene Kunstmittel, die durch eine eigenartige Gestaltung des Gedanken diesem einen besonderen Ausdruck geben, dabei handelt es sich um: Paradoxie, Oxymoron, Ironie, Euphemismus, Sarkasmus und verschiedene Wortspiele (vgl. Seiler 1922: 162). Bei der äußeren Form sind Sinnreim, Rhythmus, Parallelismus der Glieder und der Reim ein wichtiger Bestandteil der Sprichwörter (vgl. Seiler 1918: 47–50). All das dient dazu die Sprichwörter so zu gestalten, dass sie leichter zu merken sind. Sprichwörter sind in ihrem Wortlaut und ihrer Struktur nicht so streng fixiert, wie das Linguisten und Parömiologen behaupten. Im sprachlichen Kontext muss das Sprichwort nicht unbedingt als Einsatzphrasem wörtlich „zitiert“ werden, es kann sich auch den syntaktischen Regeln anpassen, z. B. durch plural Umformulierung: Und die frühen Vögel fangen auch den Wurm (vgl. Mieder 2006: 254). Die Struktur der Sprichwörter ist also nicht so streng fixiert, bei zahlreichen Sprichwörtern gibt es die Möglichkeit der Variation und der Modifikation (vgl. Krüger 2009: 17).. 20.
(29) 3.4 Zur Semantik von Sprichwörtern Zur. semantischen. Erklärung. der. Bedeutung. von. Sprichwörtern. wird. in. der. Sprichwortforschung gerne auf das Modell von Hjelmslev zurückgegriffen. Kern seines, auf Saussure aufbauenden Semantik-Modells, ist, dass es zwei Signifikationsniveaus gibt: das denotative und konnotative. Die denotative Ebene wird durch die sprachliche Form und durch den begrifflichen Inhalt gebildet. Die Form und Inhalt des „wortwörtlichen Sprichworts“ bilden die Grundlage für die konnotative – die „eigentliche“ Bedeutung des Sprichworts (vgl. Lewandowska 2008: 101,102) . Man kann auch von verschiedenen Lesarten eines Sprichwortes sprechen: wörtliche und übertragene; z. B. bei Ein Apfel fällt nicht weit vom Stamm, verstehen wir unter der wortwörtlichen Lesart: das ein „Apfel“ nicht weit weg vom Baum fällt, bei der übertragenen (der eigentlichen Bedeutung des Sprichworts) verstehen wir aber die Ähnlichkeit zwischen Verwandten (z. B. die Ähnlichkeit zwischen Vater und Sohn –> ähnlicher Verhaltensmuster). Bei der Semantik von Sprichwörtern müssen wir also das phraseologische Merkmal der Idiomatizität berücksichtigen. Idiomatizität bedeutet, dass man die Bedeutung eines Phraseologismus nicht aus den Bedeutungen seiner Konstituenten erklären kann (vgl. Schippan 2002: 48) . Es gibt Sprichwörter, zum Beispiel: Aller Anfang ist schwer, bei denen wir die Bedeutung problemlos aus den einzelnen Komponenten verstehen, weil sie nicht idiomatisch sind. Bei Sprichwörtern die idiomatisch sind, also bildlich motiviert, ist es schon schwieriger ihre Bedeutung zu verstehen (vgl. Krüger 2009: 22). Die Abgrenzung der Sprichwörter von Idiomen ist auch eine wichtige Frage. Der Unterschied lässt sich nur herausarbeiten, wenn man die Sprachverwendung berücksichtigt: Wer ein Sprichwort verwendet, distanziert sich von der unmittelbar gegebenen Situation, tritt aus ihr heraus in einem Akt der Reflexion. Adäquater Gebrauch des Sprichworts setzt einen Grad der Bewusstheit des Sprechers voraus, der bei lexikalischen Idiomen gerade nicht gegeben sein muss.12. 12. Ross zit. n. Burger 2001, S. 18.. 21.
(30) Sprichwörter, wie Gleich und gleich gesellt sich gern, Vorsorgen ist besser als heilen, Wer sich zu sehr eilt, bleibt auf der Strecke, bilden eine relativ klar umrissene Gruppe, die Satzcharakter hat. Sie werden daher von einigen Linguisten, z. B. Amosova, Fleischer und Häusermann, nicht mehr zur Phraseologie gerechnet. Fasst man sie, wie z. B. Vinogradow, Telija, Arnold oder Gläser, als Phraseologismen auf, so ist man sich der Tatsache bewusst, dass sie am äußeren Rand der Phraseologie liegen (vgl. Roos 2001: 17–18). Meiner Meinung nach ist es verständlich, dass Sprichwörter schon grundsätzlich an den Rand der Phraseologie geordnet werden, dennoch sind sie mit anderen Phraseologismen verbunden und man darf sie nicht vergessen. Man kann sie an Rand der Phraseologie ordnen, weil sie als (feste) Sätze schon zum Thema der Syntax gehören können, und auch die Forschung der Sprichwörter verläuft anders, als die der anderen Phraseologismen. Sprichwörter können auf Metaphern beruhen oder wie Metaphern wirken. Man kann also bei Sprichwörtern auch von Sprichwort-Konzepten sprechen, die wie Konzepte bei Metaphern unser Denken und Handel tiefgreifend vorstrukturieren. Sprichwörter versprachlichen das kulturelle Wissen und können selbst als „Bilder“ wirken. (vgl. Lewandowska 2008: 94,153) Sie können somit als generalisierende Satzmetaphern verstanden werden. Man wendet sie in konkreten Situationen ein und sie dienen dazu, diese zu erleuchten, zu erklären, zu illustrieren, zu argumentieren, zu rechtfertigen.13. 13. http://www.ff.uni-mb.si/dotAsset/40662.pdf, Zugiffsdatum: 12. 10. 2015, Jesenšek: Phraseologie, Kompendium für germanistische Studien 2013, S. 43.. 22.
(31) 4 Einige onomasiologische Klassifikationen des phraseologischen Materials /von phraseologischen Einheiten im Vergleich Im Anschluss werde ich einige onomasiologische Klassifikationen vorstellen und sie vergleichen. Onomasiologische Klassifikationen sind wichtig um Sprache bzw. Teile des Wortschatzes einer Sprache systematisch darzustellen. Um eine aktive phraseologische Kompetenz zu erwerben sind onomasiologische Übungen von großer Bedeutung, denn ein Sprecher oder Schreiber empfindet zunächst Angst, Liebe, Hunger usw. und möchte dann diese Empfindungen phraseologisch ausdrücken (vgl. Ettinger 200914). Es gibt verschiedene onomasiologische Quellen: Wörterbücher (z. B. SynonymWörterbücher,. Thesauri,. etymologische. und. historische. Wörtebücher,. Begriffswörterbücher usw.), Sprachatlanten, Bibliographien, Korpora u. w. (vgl. Voß 2009: 49–59).. 4.1 Regina Hessky und Stefan Ettinger: Deutsche Redewendungen Da dieses Buch auch als eine online Phrasemdatenbank zu finden ist, habe ich mich entschlossen. die. Internet. Version. zu. benutzen. bzw.. zu. analysieren.. Das. "phraseologische Lesebuch" bzw. die Phrasemdatenbank wurden in der Zeit von September 2007 bis Juli 2009 erarbeitet.15 Das im 1997 erschiene Buch die Deutschen Redewendungen. Ein Wörter- und Übungsbuch für Fortgeschrittene war ein großer Erfolg, deshalb entschlossen sich die Autoren, das Werk ins Internet zu stellen. So umgingen sie auch weitere Verzögerungen bei Herausgeben einer Neuauflage in Buchform. Beide Autoren sind schon seit über 20 Jahren mit unterschiedlichen Schwerpunkten auf dem Gebiet der Phraseologie wissenschaftlich. tätig.. Mit. dieser. Publikation. gaben. sie. ihren. Beitrag. zur. Demokratisierung des Wissens – was sich in den letzten Jahrzehnten allmählich durch eine Ausweitung der Internet Allmende herausgebildet hat.16. 14. http://www.ettinger-phraseologie.de/pages/vorwort/vorwort4, Zugriffsdatum: 13. 4. 2016 http://www.ettinger-phraseologie.de/, Zugrifssdatum: 1. 3. 2014 16 http://www.ettinger-phraseologie.de/pages/vorwort/vorwort1.php, Zugrifssdatum: 2. 3. 2014 15. 23.
(32) Die erste wichtige Frage ist natürlich: Wie kann man mit diesem Werk arbeiten und für wen wurde es gemacht? Der eigentliche Lesebuchteil soll zunächst einfach nur zum Lesen einladen und kann ohne große phraseologische Intentionen benutzt werden. Der Inhalt der Textbelege möchte dazu beitragen, das jeweilige Phrasem im Gedächtnis des Lesers besser zu verankern. Die Phrasemdatenbank liefert umfangreiche Belege aus verschiedenen Textsorten, was einen Ausgangspunkt für weitere Forschung gibt. Da die Phraseme auch unter einem Schlüssel-, Leit- oder Oberbegriff alphabetisch versammelt sind, bietet das die Möglichkeit, sie im Hinblick auf ihre semantischen Unterschiede miteinander zu verglichen und gegeneinander abzugrenzen.17. Schon im Buch forderten sie ihre Kollegen auf, beim konzipieren von phraseologischen Lernwörterbüchern die Phraseologismen nach Sachgruppen, oder noch besser nach Schlüsselbegriffen bzw. Oberbegriffen zu ordnen, was das Lernen erleichtert (Hessky, Ettinger 1997: XV) .. Wie sind die Phraseme geordnet? Es gibt: . einen alphabetischen Index der Redewendungen (Phraseme sind nach ihren Leitwörtern geordnet),. . einen alphabetischen Index der Schlüsselbegriffe,. . ein Inhaltsverzeichnis und. . Übungen.. Bei der Terminologie muss gesagt werden, dass die Autoren in Anlehnung an ihre Druckausgabe den Terminus „Redewendung“ verwenden, was sie später zumeist durch den Terminus „Phrasem“ ersetzt haben. Die Redewendungen werden in diese Wortfelder gegliedert: A Aussehen des Menschen, B Zustand des Menschen, C Eigenschaften des Menschen, D Einstellung, Beziehung zu den Mitmenschen, zur Umwelt, E Menschliches Handeln, F Einschätzung einer Lage, eines Sachverhalts, G Umwelt – Außenwelt, H Situationsgebundene Phraseologismen.. 17. http://www.ettinger-phraseologie.de/pages/vorwort/vorwort1.php, Zugrifssdatum: 2. 3. 2014. 24.
(33) Ein Beispiel: B.1.7 MORD – TÖTUNG – SELBSTMORD – STERBEN – TOD 1. jmdn. um die Ecke bringen (ugs.) jmdn. ermorden (Duden – Redewendungen, ³2008) - Weil sie zu viel wusste, brachten die beiden Verbrecher sie um die Ecke. (http://www.lovefilm.de/browse/contributor/59566/Morris.html.): -< Filminhaltsangabe.> - Es gibt wieder viel zu tun für den coolen Westernhelden Lucky Luke: Die vier finsteren Dalton-Brüder hecken im Gefängnis einen hinterlistigen Plan aus. Um das Erbe ihres Onkels antreten zu können, müssen sie den Tod ihres Onkels rächen. Dafür wollen sie den Richter und die Geschworenen, die damals ihren Onkel verurteilt hatten, um die Ecke bringen. Lucky Luke soll die Morde bezeugen. Doch ganz so einfach geht die Sache nicht. Zwar gelingt es den Daltons aus dem Gefängnis auszubrechen und Lucky Luke in ihre Gewalt zu bringen, doch haben sie nicht mit Luckys messerscharfem Verstand und Ideenreichtum gerechnet.. 18. Meiner Meinung nach ist die online Phrasemdatenbank gut gelungen, Benutzer können die Phraseme auf verschiedene Weise aufsuchen. Das Inhaltsverzeichnis, das die Phraseme onomasiologisch ordnet, ist mit seinen Untergruppen zwar lang, aber es bietet eine gute Aufteilung und somit kann man Phraseme zu einem Thema gut erforschen. Dennoch könnte die Aufteilung manchmal noch besser sein, z. B. die Einteilung der Untergruppen ist nicht immer verständlich, da es bei manchen Hauptgruppen die gleichen Untergruppen gibt und nicht erklärt wird, was sie in den unterschiedlichen Hauptgruppen bedeuten. Auch bei den Hauptgruppen ist nicht erklärt, wo die Grenzen sind, z. B. “Menschliches Handeln” und “Einschätzung einer Lage, eines Sachverhalts”, die meiner Meinung nach eng verbunden sind.. 4.2 Herbert Görner: Redensarten, kleine Idiomatik der deutschen Sprache Das Ziel seines Werkes beschreibt Görner folgendermaßen: Eine Art Nachschlagewerk für weite Kreise, durch das der Benutzer auf verschiedenen Wegen an die Redensarten herangeführt wird. Hier erfährt er, was sie bedeuten, in welche Stilebene sie gehören und wie sie angewendet werden. Darüber hinaus sind die Wendungen entsprechend ihrer Bedeutungsähnlichkeit in Gruppen zusammengefaßt, aus denen dann – etwa bei der Formulierung eines. 18. http://www.ettinger-phraseologie.de/pages/buchinhalt/b/b.1/b.1.7.php, Zugrifssdatum: 17. 3. 2014. 25.
(34) Textes – die jeweils am besten passende Redensart ausgewählt werden kann (Görner 1979:11). Wichtig ist es zu erläutern was der Autor unter „Redensarten“ versteht. Seine Definition ist an die Arbeit von E. Agricola: „Einführung in die Probleme der Redewendungen“ angelehnt.. Allgemein. werden. so. Redewendungen. als. „ganz. bestimmte. Wortverbindungen“ verstanden. Bei den Wortverbindungen unterscheidet er freie (unfeste). Wortverbindungen. (Redensarten). und. feste. Wortverbindungen. (Redewendungen) (vgl. Görner 1979: 6,7,9).. Im Buch sind rund eintausend Redensarten aufgenommen, aus den Bereichen der starren. phraseologischen. Wendungen. und. der. phraseologischen. Einheiten,. einschließlich der Zwillingsformeln. Diese sind meist mit dem jeweils erforderlichen Verb verbunden (Feuer und Flamme sein), wie andererseits bei den verbalen Redensarten zur Verdeutlichung der Verknüpfungsmöglichkeiten die entsprechenden Formen der Indefinitpronomen jemand und etwas angegeben sind (jemandem aufs Dach steigen) (vgl. Görner 1979: 9) Wichtig ist noch zu erwähnen, dass der Autor aus stilistischen Grunden gelegentlich „Wendungen“ als Synonym für „Redensarten“ gebraucht hat. Die Darstellung der Phraseme bzw. Redensarten und Redewendungen wird in diesem Buch auf zwei Weisen gemacht: Im ersten Teil sind die Redensarten rein formal nach der alphabetischen Folge ihrer jeweils ersten Kernwörtern (Leitwörter) angeordnet. Diese Art der Ordnung wird meistens einfach als die alphabetische Anordnung benannt. Im zweiten Teil sind die Redensarten nach ihrer Bedeutungsähnlichkeit gruppiert und unter ebenfalls. nach. dem. Alphabet. angeordneten. Leitbegriffen. (Oberbegriffen). zusammengestellt. In beiden Abschnitten sind die Kernwörter der Wendungen halbfett gedruckt. Den Abschluß bildet schließlich mit dem dritten Teil das Verzeichnis der Leitbegriffe (Görner 1979: 11).. 26.
(35) Ein Beispiel aus dem ersten Teil: ins Gras beißen (salopp). sterben; zu Tode kommen. „Laß dir nicht einfallen, noch einmal ohne jede Ausrüstung auf diesen Felsen zu klettern! Bei solch leichtsinnigem Unterfangen hat schon mancher ins Gras gebissen.“ <Sterben> (Görner 1979: 72). Im zweiten Teil werden die Redensarten wie gesagt nach Leitbegriffen geordnet und aufgezählt, z.B: Sterben daran glauben müssen (umg) ins Gras beißen (salopp) in die Bretter gehen (salopp) vor die Hunde gehen (salopp) den Löffel abgeben (salopp) den Arsch zukneifen (derb) einen kalten Arsch kriegen (derb) (Görner 1979: 236) Im Verzeichnis der Leitbegriffe kann man den Begriff „Tod“ unter diesen Begriffen finden: Tod, Sterben und Vernichtung. Das Verzeichnis bietet so die Möglichkeiten mit Verweisen verwandte Begriffe zu finden. Die Redensarten kann mann also auf drei verschiedene Arten suchen, was sehr nützlich ist. Die onomasiologische Klassifikation kommt im zweiten Teil vor, wo Redensarten nach Leitbegriffen bzw. Oberbegriffen geordnet sind. Wie man sieht, werden diese beiden Begriffe als Synonyme verwendet. Leider hat der Autor nicht erläutert, wie diese Leitbegriffe ausgesucht worden sind. Er hat jedoch gesagt, dass die Zusammenstellung der Leitbegriffe nicht einfach war und es in späteren Ausgaben auch noch Verbesserungen geben kann. (vgl. Görner 1979: 14). 4.3 Hans Schemann: Synonymwörterbuch der deutschen Redensarten. Das Synonymwörterbuch der deutschen Redensarten ist ein Begriffswörterbuch, das sich in zwei Teile gliedert: einen systematischen und alphabetischen Teil. Am Ende. 27.
(36) beinhaltet es noch ein Such- und Stichwortregister. Das Buch bietet so drei verschiedene Ansätze: -. den onomasiologischen Ansatz,. -. den semasiologischen Ansatz,. -. den assoziativen Ansatz.. (vgl. Schemann 1992: IX) Der onomasiologische Ansatz fängt bei dem Begriff an und such nach Möglichkeiten diesen sprachlich auszudrücken. Der Benutzer beginnt bei der Gliederung des systematischen Teils, wo Oberbegriffe die einzelnen Wortfelder voneinander abstecken. Der semasiologische Ansatz geht von einzelnen sprachlichen Wendungen aus und sucht dazu Synonyme und andere in Bedeutungsrelationen stehende Ausdrücke. Der assoziative Ansatz steht in der Mittellinie zwischen den beiden erstgenannten. Bei diesem geht der Benutzer von einem einzelnem Wort (Lexem) aus, das den Sachverhalt, den er ausdrücken will, im Deutschen in allgemeiner und gängiger Form wiedergibt (Schemann 1992: IX).. Mich interessierte vor allem der systematische Teil, der nach Wortfeldern gegliedert ist. Wichtige Fragen, die sich dabei stellen sind: Wie werden diese Wortfelder gebildet und wie grenzen sie sich von einander ab? Da dieses Werk ein Synonymwörterbuch ist, ist es auch wichtig Synonymität zu erklären und Schemann stellte diese Definitionen vor: 1. synonym sind Einheiten, die in bestimmten Kontexten austauschbar sind, ohne daß sich die (Gesamt-) Bedeutung der Aussage dadurch (wesentlich) verändert; 2. synonym sind Einheiten, die dieselben denotativen Merkmale haben, während die konnotativen unterschiedlich sind; 3. synonym sind Einheiten, die unter denselben Oberbegriff gehören. (Schemann 1992: XXIV).. Er hat offengelassen ob diese Definitionen wirklich unterschiedlich sind, oder es sich nur um unterschiedliche Fassungen derselben Grund-Definition handelt. Bei dem Gestalten des Synonymwörterbuchs ist er nach den dargestellten Prinzipien von unten nach oben gegangen und hat zunächst die Ausdrücke zusammengestellt, die fast bedeutungsgleich. 28.
(37) sind und sich in verschiedenen Kontexten austauschen lassen. Danach hat er mehrere solcher Blöcke zu größeren Gruppen zusammengefasst. Einheiten, die in verschiedene Blöcke gehören, sind in ihrer Bedeutung deutlich voneinander verschieden, gehören aber dennoch unter denselben Oberbegriff (vgl. Schemann 1992: XXV). Die Titel der Wortfelder sind eine wichtige Hilfe, sie geben über die begriffliche Formulierung hinaus aus jedem Unterfeld (semantisch enger zusammengehörender Gruppe. von. Blöcken). einen. „sprechenden“. idiomatischen. Ausdruck. (oder. Umschreibung) an. Die Kriterien, nach denen die einzelnen Blöcke voneinander differenziert sind, sind von Fall zu Fall verschieden. Die Synonymforschung hat natürlich erkannt, dass sich die sprachlichen Bedeutungsrelationen nicht in ausreichender Form lediglich linear und hierarchisch darstellen lassen, weil sich die Perspektive, in der die Bedeutungen jeweils voneinander abgehoben werden, verändert. So kann man von einem Ausdruck eines beliebigen Feldes oder Unterfeldes je nach gewählter Perspektive praktisch zu jedem anderen Feld (oder Unterfeld) kommen, bzw. die Wahl einer Perspektive setzt ein bestimmtes Feld oder Unterfeld voraus (vgl. Schemann 1992: XXV). Man kann Wörtfelder erst dann definitiv konstituieren, wenn man ein Oberbegriff hat, das von den Nachbarfeldern abgegrenzt ist. Das Auseinanderfalten und Abgrenzen einer Grundidee für ein Gesamt-Feld setzt also im Prinzip zugleich die Übersicht über die gesamten Wendungen dieses Feldes, seiner Einzelfelder und ihre von unten einsetzende Anordnung zu Blöcken, Unterfelder und Feldern einerseits und die Übersicht über den Zusammenhang und die Relationen unter den Einzel-Feldern des Gesamt-Feldes anderseits voraus. (Schemann 1992: XXVII).. Auch die Einordnung der einzelner Redensarten kann nur sinnvoll sein, wenn man den semantischen Zusammenhang zwischen ihnen und ihrer Beziehungen zu den übringen Blöcken des Feldes oder Unterfeldes überschaut. Der Oberbegriff in einem Feld kann in einer Sprache als Wort (Lexem) vorkommen, man nennt das ein „Archilexem“, oder er ist nur in unserem Geist präsent und fehlt in der Sprache. Im zweiten Fall bleibt dem Lexikologen nichts anderes übrig, als den Begriff zu umschreiben. Das erklärt die unterschiedlichen Fassungen der Wortfeld-Titel (vgl. Schemann 1992: XXVII).. 29.
(38) Das Buch wird in diese Großfelder geteilt: A Zeit Raum Bewegung Sinnesdaten, B Leben – Tod, C Physiognomie des Menschen, D Stellung zur Welt, E Haltung zu den Mitmenschen, F Einfluß Macht Verfügung Besitz, G Kritische Lage Gefahr Auseinandersetzung, H Präferenzen, I Quantitäten Qualitäten Relationen.. Die Großfelder werden in weitere Felder eingeteilt und danach noch explizieter gegliedert z. B.: B Leben – Tod. Ba Geburt – Tod. Ba Geburt – Tod,. Ba 1 Geburt,. Bb (noch) jung – (schon) alt,. Ba 2 sterben (müssen),. Bc gesund – krank.. Ba 3 sich töten, Ba 4 töten, Ba 5 tot, Ba 6 noch lebendig, Ba 7 Beerdigung, Trauer.. Beispiel (Schemann 1992: 35): Ba 2 sterben (müssen) 1. in Lebensgefahr schweben 2. es geht (mit jm./etw.) zu Ende sich dem/seinen Ende zuneigen js. Zeit ist gekommen dran sein ugs.. Die Gliederung wurde sehr detalliert gemacht und die Redewendungen wurden nach der Synonymität gegliedert. Sehr gut finden ich, dass die Konzipierung der Hauptgruppen erklärt ist, somit kann man die Gliederung besser verstehen.. 30.
(39) 4.4 EPHRAS (Ein mehrsprachiges phraseologisches Lernmaterial) EPHRAS ist ein mehrsprachiges phraseologisches Lernmaterial auf CD-ROM, was im Rahmen eines EU-Projekts (von Oktober 2004 bis September 2006) entstand. Das Programm EPHRAS enthält eine viersprachige Phrasem-Datenbank mit über 4000 Phrasemen. Die Ausgangssprache Deutsch wird mit den slowenischen, slowakischen und ungarischen Phrasemen bzw. äquivalenten Wortschatzeinheiten verglichen (vgl. Ephras 2006). Die Phraseme, die in die Datenbank aufgenommen worden sind, haben anhand der empirischen Untersuchungen von Šajánková (2005) eine hohe Bekanntheit und Gebräuchlichkeit im deutschen Sprachraum (vgl. Kralj/Kacjan 2011). Das Ziel dieses Projekt war die Erstellung eines lehrwerkunabhängigen Lernmaterials auf. CD-ROM. zum. Bereich. "Phraseologie". im. Fremdsprachenunterricht.. Das. Lehrmaterial umfasst: (1) Eine elektronische Datenbank mit insgesamt 4000 Phrasemen in vier Sprachen (DE, HU, SI, SK); (2) 150 Interaktive Übungen zu ausgewählten Phrasemen in den vier Sprachen; (3) Ein ausführliches Handbuch. Die. Zielgruppen. sind:. Fremdsprachenlerner. (B1. bis. C1). von. DE/HU/SI/SK,. Fremdsprachenlehrer von DE/HU/SI/SK, Fremdsprachendidaktiker, Lehrwerks- und Lernmaterial Entwickler.. 19. Das Projekt hat eine eigene Internetseite – http://www.ephras.org – mit allen wichtigen Informationen. und. es. gibt. auch. eine. Demoversion. der. Software. unter. http://demo.ephras.org. Die Übungen sind in 19 semantische Felder geteilt, d. h. bei jedem Oberbegriff werden fünf Phraseme gelernt, die semantisch zusammenhängen, z. B.: im Stich lassen → Metalexem → Schwierige Lage (Kralj/Kacjan 2011). „Unter Metalexem werden in der EPHRAS-Datenbank semantische Oberbegriffe verstanden, wonach Gruppen semantisch zusammenhängender Phraseme entstehen.“ (Jesenšek 2009: 73). Man findet diese Metalexeme: Arbeit – Engagement. Anfangen – Beenden. Angst – Sorge. Aussehen. Ärgernis. Ausmaß. Benehmen. Bedeutung – Wert. Begutachtung. 19. http://www.ephras.org/01-1-Kurzbeschreibung.php, Zugrifssdatum: 6. 4. 2014. 31.
(40) Denken – Meinung. Besitz - Finanzielles. Charakterzug. Essen – Trinken – Feiern. Eignung. Engagement. Gleich – Verschieden. Freude – Trauer. Gesundheit. Kampf – Streit. Glück – Pech. Haltung. Maßhalten. Lust – Unlust. Macht. Persönliche Beziehung. Misserfolg. Mühe. Schuld – Unschuld. Raum – Bewegung. Reden – Schweigen. Tätigkeit. Schwierige Lage. Sonstiges. Unterstützen. Täuschung. Unentschiedenheit. Vorteil – Nachteil. Verhalten. Verwunderung. Wissen – Information. Zeit. 20. Wenn man Phraseme zu einem Metalexem finden möchte, muss man einfach ein Metalexem aussuchen und das Zeichen * (Sternchen) eingeben (danach Enter drücken oder auf „Suchen“ klicken), so werden alle Phraseme zu dem Metalexem angezeigt. Die Datenbank ermöglicht so einen leichten Zugriff zu den bedeutungsähnlichen Phrasemen (wobei die Aufrufung von allen Phrasemen zu einem Metalexem noch einfacher sein könnte).. 4.5 Karl Simrock: Die deutschen Sprichwörter Bei diesem Buch handelt es sich um eine Sprichwörtersammlung, die 12.369 Sprichwörter umfasst. Das Problem ist, das Simrock hier und da auch sprichwörtliche Redensarten aufgenommen hat, ohne diese von den Sprichwörtern zu trennen.. Ich habe dieses Buch auch in die Behandlung der onomasiologischen Klassifikationen aufgenommen, da die Sprichwörter nicht einfach nur alphabetisch aufgelistet sind, sondern nach „inhaltlichen Gesichtspunkten“. Es handelt sich um keine eindeutige onomasiologische Klassifikation, doch Merkmale der Onomasiologie sind zu finden. Die Sprichwörter sind durchnumeriert und nach einem Hauptstichwort (meistens dem Subjekt) alphabetisiert. Die unter einem Stichwort versammelten Sprichwörter sind dann nach „inhaltlichen Gesichtspunkten“ geordnet.. 20. http://demo.ephras.org/, Zugriffsdatum: 27. 6. 2014. 32.
(41) Beispiel: Tod 10 352. Der Tod hebt alles auf. 10 353. Der Tod scheidet allen Krieg. 10 354. Der Tod macht mit allen Feierabend. (Simrock 2003: 525) Ich finde es gut, dass die Sprichwörter nach dem Inhalt geordnet sind, obwohl es noch besser wäre, wenn es einen Register gäbe mit Stichwörtern, damit man die Sprichwörter zu einem Thema noch leichter suchen könnte. Da es eine große Anzahl der Stichwörter gibt, bekommt man kein Überblick.. 4.6 Die Klassifikationen im Vergleich Ich habe fünf verschiedene Beispiele vorgestellt, wo die onomasiologische Perspektive verwendet wurde. Bei vier Klassifikationen sind Redewendungen bzw. Redensarten onomasiologisch. klassifiziert. und. Simrock. hat. in. seiner. Sprichwortsammlung. Sprichwörter nach dem Inhalt geordnet, was meiner Meinung nach auch als eine onomasiologische Klassifikation gesehen werden kann. Da die Sammlung trotzdem nicht viel mit den anderen gemeinsam hat, werde ich sie speziell (am Ende) kommentieren. Man kann aber sehen, dass die onomasiologische Sichtweise, bei verschiedenen Bereichen der Sprache verwendet werden kann.. Die Terminologie, die bei onomasiologischen Klassifikationen verwendet wird ist verschieden. In meinen Beispielen kommen diese Termini vor: Wortfeld, Metalexem und Leitbegriff. Alle diese Termini haben eine ähnliche Bedeutung, sie beschäftigen sich mit den semantischen Ähnlichkeiten der Phraseologismen, bzw. sie ordnen diese nach ihren semantischen Beziehungen. Man kann meiner Meinung nach von einer thematischen Ordnung sprechen. Mit thematischer Ordnung meine ich, dass Phraseme zum bestimmten Thema zusammen geordnet sind (z. B. „Liebe“). Die Kategorien, nach denen sie aufgeteilt sind, sind natürlich unterschiedlich, auch die Zahl der Kategorien variiert. Schemann und Hessky/Ettinger haben eine ähnliche Gliederung, beide ermöglichen dem Benutzer einen Überblick über die Grobteilung, beide sprechen auch über Felder (Wortfelder, Großfelder). Die thematische Gliederung ist zwar nicht. 33.
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