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3 MARCO METODOLÓGICO

3.7 ANÁLISIS Y DISCUSIÓN DE RESULTADOS

3.7.2 ENCUESTA

The inescapable physical manifestation of photography is light, a record of light.

[...] the photograph is light and so the subject is also light.329

Im Jahr 1987 führt Adam Fuss mit der Serie der Proto Spirals die Technik des Luminogramms in sein Werk ein (Abb.78). Die Technik und das Motiv bleiben in unterschiedlichen Variationen immer dieselben: in einer Dunkelkammer wird ein Stück Silbergelatinepapier oder Ilfochrome auf einer horizontalen Fläche ausgebreitet.330 Darüber befindet sich zentral ein fixiertes Pendel, an dessen

unterem Ende eine kleine Taschenlampe mit Lochblende angebracht ist.331 Die

Farbe der Taschenlampe wird mittels eines auf den Glasvorsatz aufgetragenen transparenten Farbgels eingestellt. Das Pendel wird über die Kante des Fotopapiers ausgelenkt, die Lampe eingeschaltet und seitwärts angestoßen (Abb.79). Von diesem Moment an übt Fuss keinen direkten Einfluss mehr auf das folgende Geschehen aus. Die Taschenlampe schwingt, durch die Gravitationskraft bedingt, in immer engeren konzentrischen bis ellipsoiden logarithmischen Spiralbewegungen (Abb.80) über das Ilfochromepapier und belichtet in einer Linie die zurückgelegte Strecke in der Farbe des von der Taschenlampe ausgestrahlten Lichts. Die unbelichteten Zwischenräume bleiben schwarz. Es entsteht automatisch ein Bild, das, einmal angestoßen, in seiner Form nur mehr aus dem Zusammenspiel von kinetischer und potentieller Energie gesteuert wird (Abb.81). Die Bahnen werden zur Mitte hin immer enger, sodass ab einem Grenzwert das Ilfochromepapier überbelichtet wird und nur noch ein gleißend weißer Tunnel zu sehen ist. So vergehen nach den Angaben von Fuss 15 bis 120 Minuten, bis das Pendel in seinem Lot zum Erliegen kommt.332

Wenngleich das Endprodukt niemals genau vorhersagbar ist, so kann man dennoch auf die entstehende Lichtspirale über eine Vielzahl an Veränderungen der einzelnen Parameter Einfluss nehmen: Mit der Dicke des Pendelfadens bzw. seiner Steifheit nimmt die Gesamtrotationsdauer ab, wodurch die Abstände

329 Fuss zit. nach: Bleckner, Ross: „Adam Fuss“, in: Bomb Magazine, Frühling 1992, S.24-28 (S.26).

330 Die ersten Luminogramme wurden auf Silbergelatinepapier produziert. Später verwendet er ausschließlich Ilfochrome. Vgl.: Haworth-Booth 1998, S.21.

331 Parry 1997, S.15ff. 332 ebd.

zwischen den einzelnen Umläufen größer werden. Gleiches gilt für ein abnehmendes Gewicht am unteren Ende des Pendels.

Nach den Aussagen von Adam Fuss sind diese Spiralen aus einer tief greifenden metaphysischen Vision hervorgegangen, die er 1980 während seiner ersten USA- Reise im Alter von 19 Jahren in der Nähe von New Hampshire erlebte (vgl. Kapitel 1.3.3):

Ich war jedenfalls in einem Zimmer mit anderen Menschen. Und hier geschah etwas. Da waren noch andere Menschen. Ich war völlig ausgeflippt. Ich erlebte eine Art von übersinnlichem, psychologischem Sturm. Ich war gleichzeitig an zwei Orten. Einer davon war das Zimmer, in dem ich mich physisch befand. Aber der andere Ort – ich konnte eine Landschaft sehen, und das war in New England. Ich befand mich sehr hoch über der Erde. So hoch oben, dass ich ihre Krümmung sehen konnte. Und überall in dieser Landschaft waren Lichtstrukturen. Sie waren wie Trichter aus blauem Licht, die sich in die Schwärze des Weltalls öffneten. Innerhalb dieser Trichter kamen Dinge in die Erde, aber an spezifischen geographischen Orten, denn die Trichter erhoben sich von einem bestimmten Ort. Dinge kamen hinein und Dinge kamen heraus. Es gab auch Quellen. Ein Trichter und eine Quelle sind vom Prinzip her gleich, eben in umgekehrter Form. Heraussprudelndes Wasser ist das gleiche wie ein Trichter, bei dem Wasser auf einen Punkt kommt. Ich blickte also über die

Landschaft und konnte mehrere Trichter sehen. Ein sehr ätherisches blaues Licht. Und in einem von ihnen bemerkte ich ... eine Art von Kapsel, fast wie ein Ei, leicht elliptisch, klar umrissen. Und darin sah ich einen menschlichen Körper, eine menschliche Form. Und in diesem Moment erkannte ich, dass ich selbst in einem dieser Dinger sein musste, um dies sehen zu können. Ich muss in dieser Position sein, um das sehen zu können. Diesen Standpunkt einzunehmen, erforderte eine große Menge an persönlichem Kraftaufwand. Ich meine beinahe, dass ich vielleicht irgendwie durch Pendelkraft so hoch über die Erde gekommen bin. Als wäre man in einem Aufzug, für den man selbst die Energie erzeugt ... aber nicht auf physische Art. Ich erinnere mich daran, dass es mir sehr wichtig war, dass die Menschen die Fenster und Türen in dem Raum, in dem wir waren, geschlossen hielten. [...] Allmählich hatte ich nicht mehr genügend Kraft, um diese Position zu halten, und so kam ich also zur

Normalität zurück, diesem normalen einen Ort und den anderen Ort konnte ich nicht mehr einsehen. Obwohl ich eine Energie spürte, die von den Händen und Augen und Dingen der anderen Menschen kam.333

333 Fuss zit. nach: Haworth-Booth 1998, S.15f. Eigenen Aussagen zufolge waren keine Drogen im Spiel.

In Zusammenhang mit diesem Erlebnis entstanden 1984 schwarzweiße fotografische Vorläufer, die bereits auf die späteren Luminogramme verweisen (Abb.8).334

Eugenia Parry erwähnt das inhärente mystische Element, das diese Spiral-Bilder durchsetzt: „spiral journeys, show the journey of the soul moving through death to find rest and rebirth in the central chamber.“335 Des Weiteren führt sie eine

Zeichnung einer komplexen Spirale des englischen Architekturfotografen Frederick Evans an, die sich in der Sammlung von Fuss befindet (Abb.82). Bereits Evans sah in ihnen einen Ausdruck von „harmonic proportions between forces of time and space“ (vgl. Kapitel 7.1.4).336

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