• No se han encontrado resultados

Tiempo total empleado: 30.53 minutos 1.10 Observaciones:

PROCEDIMIENTO 6 –DISPOSICION DE LOS RESIDUOS DE LOS DIFERENTES PUNTOS ECOLOGICOS

1. Identificación del proceso

1.9 Tiempo total empleado: 30.53 minutos 1.10 Observaciones:

„Height is a component of the biological welfare that reflects how well the human organism itself thrives in its socio-economic and epidemiological environment during childhood and adolescence.“

Barry Bogin, (1999).

Das folgende einfache Modell erläutert am Beispiel der Körpergröße die Relevanz anthropometrischer Maßzahlen als Wohlfahrtsindikatoren. Das Grundprinzip lässt sich wie folgt zusammenfassen. Die in einem bestimmten Alter erreichte physische Statur eines Individuums (beziehungsweise die durchschnittliche Statur einer Population) ist der Saldo zwischen dem beispielsweise durch Krankheiten oder Arbeitsanstrengung bedingten Energieverbrauch auf der einen und der Energiezufuhr auf der anderen Seite. Dieser Saldo wird als Nettoernährungsstatus bezeichnet. Der Begriff wird von Robert Fogel folgender- maßen definiert:

„… nutritional status denotes the balance between the intake of nutrient and the claims against it. It follows that adequate levels of nutrition are not determined solely by the level of nutrient intake but vary with the circumstances of an individual. Whether the diet of a particular individual is nutritionally adequate depends on such matters as his level of physical activity, the climate of the region in which he lives, and the extent of his exposure to various diseases.“

Robert Fogel, (1986).

Die endgültige Körpergröße eines Individuums kann somit als Ergebnis der historischen Wachstumsbedingungen im weitesten Sinne bis zum Zeitpunkt der Beendigung des Wachstumsprozesses verstanden werden. Auf individueller Ebene spielen Gene zwar eine wichtige Rolle und bestimmen einen bedeutenden Teil der Variation.97 Auf Populations- ebene (gegeben eine relativ stabile genetische Zusammensetzung der Bevölkerung) weichen diese Einflüsse „dem Gesetz der großen Zahlen“ und die durchschnittliche Körpergröße einer Population wird zu einem guten Indikator des Lebensstandardsniveaus.98

97 Eveleth und Tanner (1976), Tanner (1983).

98 Da die Korrelation zwischen den Körpergrößen der Eltern und ihren Kindern nicht ausschließlich auf die

Genetik zurückzuführen ist, sondern auch auf die Ähnlichkeit der Lebensbedingungen innerhalb des Haushaltes (Rona (1981); Spencer und Logan (2002)).

25

Das Funktionsprinzip lässt sich anhand des folgenden einfachen Modells veranschaulichen.99Die durchschnittliche Körpergröße eines Individuums (respektive einer Geburtskohorte von Individuen) soll approximativ beschrieben sein durch die folgende Gleichung: ) ( H dt , , θ , σ , D , W , , , Y g ) ( H ) H( x max 0 age t t t t t t min T M E x P P x x t t t aog f t ≤ ⎥ ⎥ ⎦ ⎤ ⎢ ⎢ ⎣ ⎡ ⎟ ⎟ ⎠ ⎞ ⎜ ⎜ ⎝ ⎛ + =

= , (Gl. 1) Wobei t x)

H( = im Alter x erreichte Körpergröße einer bestimmten Geburtskohorte ist, für x <20. )

(

Hmin x und Hmax(x) sind die genetisch bedingt minimal- und maximal in einem bestimmten Alter erreichbaren Körpergrößen. Bei den übrigen Größen handelt es sich um:

t

Y = Realeinkommen

f

P = Preis für Nährstoffe

aog

P = Preis aller anderen Güter

t

T = Transferzahlungen des Staates

t

W = Arbeitsanstrengung

t

D = epidemiologisches Umfeld (Krankheiten)

t

σ = trendbereinigte Varianz des Realeinkommens zwischen t=0 und t=x

t

θ = Einkommensverteilung

t

M = Kosten medizinischer Versorgung

t

E = Umweltbedingungen (z.B. Klima, aber auch kulturelles und politisches Umfeld).

dabei gilt: 0 g 0, g 0, g 0, θ g 0, σ g 0, D g 0, W g 0, g , 0 0, Y g 2 2 < ∂ ∂ > ∂ ∂ < ∂ ∂ < ∂ ∂ < ∂ ∂ < ∂ ∂ < ∂ ∂ < ∂ ∂ < ∂ ∂ > ∂ ∂ E T M P P Y g aog f ) (

Hmin x und Hmax(x) bilden einen vom genetischen Potenzial vorgegebenen Korridor, in dem sich je nach Qualität der Wachstumsbedingungen die endgültige Körpergröße einstellt. Welchen Punkt ein Individuum innerhalb dieser Bandbreite erreicht, hängt von einer Reihe von Faktoren ab.

Ein wesentlicher Faktor sind die zur Sicherung der Grundbedürfnisse und der Verbesserung der Lebensqualität darüber hinaus notwendigen Ressourcen (Realeinkommen Yt, und

Transferzahlungen Tt). Mit steigendem Einkommen verändert sich das Konsumverhalten

tendenziell hin zu mehr und besserer Nahrung, ebenso wie zu höheren Hygienestandards

26

und besserer Gesundheitsversorgung, was zur Realisierung eines höheren Anteils des genetischen Wachstumspotenzials führt.100 In diesem Zusammenhang sind auch die relativen Preise der Nährstoffe (Pt) im Verhältnis zu anderen Gütern (Paog) von Bedeutung.

Für den kausalen Zusammenhang zwischen Einkommen und Körpergröße als Ausdruck von Lebensstandard existieren vielfältige Belege. Der sozioökonomische Status war – so zeigt die Wirtschaftsgeschichte – stets mit der durchschnittlichen Statur korrelliert.101 So schlug sich zum Beispiel die sozioökonomische Krise des 17. Jahrhunderts in Frankreich in der Statur der Bevölkerung nieder. Die durchschnittliche Körpergröße von Männern dieser Periode war mit 162 cm der Tiefpunkt in der jüngeren europäischen Geschichte.102 Seitdem waren Europäer nie mehr so schwach gewachsen. Während der Industriellen Revolution in England und Amerika war die körperliche Entwicklung der Unterschicht rückläufig, während bei Vertretern der Oberschicht keinerlei negative Veränderungen in der durchschnittlichen Körpergröße festzustellen waren. Es gibt auch hinreichend Beispiele in der jüngsten Geschichte. In Deutschland spiegelte sich die dem Zweiten Weltkrieg vorangegangene Wirtschaftskrise deutlich negativ in den anthropometrischen Daten von Kindern (sowie höheren Sterblichkeitsraten) wider.103 Und selbst zwischen der Bundesrepublik und der DDR gab es signifikante Unterschiede in der durchschnittlichen Körpergröße der Bevölkerung: Die wohlhabendere Bevölkerung Westdeutschlands war im Durchschnitt deutlich größer als ihre ostdeutschen Pendants und diese Lücke begann sich erst nach der deutschen Wiedervereinigung zu schließen. 104

Zusammenfassend läßt sich feststellen, dass tiefgreifende sozioökonomische Transformationsprozesse in der Geschichte meist jeweils auch ihren Niederschlag in der Entwicklung des biologischen Lebensstandards, somit auch in sichtbaren Schwankungen in der durchschnittlichen Körpergröße der betreffenden Population fanden. Dies trifft sowohl für die Neolithische Agrarrevolution zu, als die Menschen von Jägern und Sammlern zu sesshaften Bauern wurden und die Lebensbedingungen begannen sich spürbar zu verbessern, als auch für die Auswirkungen der Industriellen Revolution des 18. Jahrhundert in Europa und ebenso auch für die Gesellschaften der osteuropäischen Transformationsländer des 20. und 21. Jahrhunderts.105

Unvorhergesehene Einkommensschwankungen (

σ

t) beispielsweise durch Arbeitslosigkeit

oder Inflation können die Kontinuität der Ernährungsituation und damit der Wachstums- bedingungen nachhaltig beeinträchtigen, insbesondere wenn sie in wachstumssensitive

100 Steckel (1995); Floud Wachter und Gregory (1990).

101 Ein bekanntes Beispiel, wo es zunächst anders, die Körpergrößenentwicklung also nicht mit der positiven

Wirtschaftsentwicklung korreliert zu sein schien, waren die USA im 19. Jahrhundert. Komlos (1987); Haines (1998).

102 Komlos (2003b).

103 Baten und Wagner (2002). 104 Komlos und Kriwy (2003).

27

Phasen fallen. Denn der Wachstumsprozess verläuft, wie bereits an anderer Stelle beschrieben, nicht linear, sondern beinhaltet vielmehr mehrere wachstumsintensive Phasen, während derer der Organismus gegenüber Versorgungsengpässen besonders empfindlich ist und negative Abweichungen vom Wachstumspfad ein späteres Aufholen versäumter Wachstumsfortschritte evtl. unmöglich machen können.

Neben dem Einkommensniveau spielt die Einkommensverteilung (θt) eine wichtige

Rolle.106 Hohe Einkommensungleichheit resultiert bei einem gegebenen Einkommensniveau in einer geringeren durchschnittlichen Körpergröße der betreffenden Population. Grund hierfür ist der abnehmende Grenznutzen des Einkommens. Dies bedeutet, dass ein wohlgenährtes, gesundes Kind, dessen Wachstumsbedingungen bereits auf hohem Niveau sind, aus einer gegebenen zusätzlichen Einheit Einkommen Y und den dafür erwerbbaren Nährstoffen einen wesentlich geringeren in zusätzlichem Körperwachstum realisierbaren Nutzen ziehen kann, als ein unterernährtes unterversorgtes Kind. Daher führt ungleich verteiltes Wirtschaftswachstum durchschnittlich zu geringeren Wachstumssteigerungen bei der durchschnittlichen Körpergröße, da die Zuwächse der ökonomisch besser gestellten die mangelnden Fortschritte der ökonomisch schwächeren nicht wett machen.107 Ein besonders eindrucksvoller historischer Beleg für die Rolle der Einkommensverteilung für den Ernährungsstatus fand sich im England der frühen Periode der Industriellen Revolution. Hier wurde die größte jemals festgestellte Diskrepanz zwischen unterschiedlichen Schichten einer Gesellschaft gemessen: Die Differenz zwischen der durchschnittlichen Körpergröße von 15-jährigen Jugendlichen der Oberschicht und der untersten Schicht der Gesellschaft betrug 20 cm.108 Auch in den hier untersuchten zentralasiatischen Transformationsländern, für die vor 1991 eine ausgesprochen gleichmäßige Einkommensverteilungsstruktur charakteristisch war, war in den vergangenen 15 Jahren eine teils gravierende Auseinanderentwicklung der Einkommensschere zu beobachten, die aller Wahrscheinlich- keit nach auch Auswirkungen auf den biologischen Lebensstandard der Bevölkerung hatte. Der Energiezufuhr steht auf der Soll-Seite der Verbrauch von Ressourcen beispielsweise durch Arbeitsanstrengung oder Krankheiten gegenüber, die vom Organismus unter günstigeren Umständen in Wachstum investiert worden wären. Krankheiten mindern über die direkten Anforderungen an den Energiehaushalt hinaus zudem die Fähigkeit des Organismus, Nährstoffe optimal zu absorbieren und zu verwerten, was wiederum tendenziell zu höherer Morbidität führt. Das epidemiologische Umfeld (Dt), die Kosten

106 Vergleiche hierzu Steckel (1995) oder Brinkmann und Drukker (1998).

107 Dieser Zusammenhang ist der Hintergrund des sogenannten „Antebellum Puzzle“ – der rückläufigen

physische Entwicklung der US-amerikanischen Bevölkerung während der Industriellen Revolution des 19. Jahrhunderts. Hier nahm die durchschnittliche Körpergröße der Bevölkerung trotz starken Wirtschafts- wachstums nicht zu. Komlos (1987, 1996, 1998) erklärt dieses Puzzle mit der starken Einkommensungleichheit.

28

medizinischer Versorgung (Mt) und die Arbeitsanstrengung gehen hier also negativ in die

Gleichung mit ein.

Unter Umweltbedingungen (Et) sind hier Faktoren, wie das Klima, das Hygieneumfeld aber

auch das soziokulturelle Umfeld (Stichwort Gender) zusammengefaßt. Das Klima – beispielsweise Temperaturschwankungen, Schwankungen der Niederschlagsmenge – spielt eine wesentliche Rolle für die Wachstumsentwicklung. Zum einen ist das Nahrungs- mittelangebot klimaabhängig, zum anderen hat die Temperatur einen direkten Einfluss auf den Energiehaushalt. Es gibt empirische Belege für eine positive Korrelation wärmerer Klimaabschnitte mit dem Ernährungsstatus der Bevölkerung in Frankreich im 18. Jahrhundert.109 Baten (1999a) stellte für Bayern im 19. Jahrhundert beispielsweise eine enge Korrelation zwischen dem Verlauf der Wintertemperatur und der durchschnittlichen Körpergröße der Bevölkerung fest. Selbst die Entwicklung des Ernährungsstatus der europäischen Population über die vergangenen 1200 Jahre hinweg läßt sich zum Teil mit Temperaturveränderungen erklären.110

Als Fazit läßt sich festhalten, dass der Nettoernährungsstatus, gemessen anhand der Körpergröße, sowohl Resultat mangelnder Nährstoffzufuhr bei „normalem“ Energie- verbrauch als auch normaler Nährstoffzufuhr bei überproportionalem Verbrauch oder aber, wie sehr häufig der Fall, einer Kombination aus unzureichender Nährstoffversorgung mit starker Belastung beispielsweise durch Krankheiten, Arbeitsanstrengung etc. sein kann. Abschließend stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, ob denn eine geringe Körpergröße zwingend negativ sein muß.111 Diese Frage wurde besonders kontrovers in den 1980er Jahren diskutiert.112 Dabei vertraten Befürworter der „Small but Healthy“-Hypothese die Ansicht, die Wachstumshemmung sei grundsätzlich ein gesunder Anpassungs- mechanismus des menschlichen Organismus an ungünstige Wachstumsbedingungen, der Organismus reduziere mit der zu versorgenden Gesamtgröße lediglich rationalerweise den Energiebedarf, was jedoch nicht notwendigerweise eine Beeinträchtigung des Gesundheits- status darstellt.113 Tatsächlich mag die Körpergröße auf den ersten Blick vielleicht nicht als Selbstzweck, als Gut an sich erscheinen. Das Kernargument gegen die „Small but Healthy“- Hypothese aber ist die Tatsache, dass Wachstumsschwäche eine Folge von insgesamt suboptimalen Wachstumsbedingungen ist, die ein vollständiges Ausschöpfen des genetischen Potentials verhindern.114

Doch existieren durchaus auch Belege für negative Konsequenzen einer anhand anthropometrischer Indikatoren gemessenen Wachstumsschwäche für die physische

109 Bogin (1999).

110 Koepke und Baten (2003).

111 Scrimshaw, Taylor und Gordon (1968); Chandra (1991). 112 Beaton (1989); Seckler (1982); Messer (1986).

113 FAO (1987); Seckler (1982).

29

und kognitive Entwicklung belegen.115 Eine Reihe von Studien fand Hinwese auch auf eine enge negative Korrelation zwischen der Körpergröße und der Sterblichkeitswahr- scheinlichkeit. So lieferte die anhand von Daten aus Norwegen durchgeführte Studie von Waaler (1984) eindrucksvolle Belege für einen negativen Zusammenhang zwischen der Körpergröße und der Mortalität.116 Er untersuchte anhand eines umfangreichen Samples (1,7 Millionen Personen über 15 Jahre) aus den Jahren 1963 und 1975 und fand neben einer allgemein signifikanten Korrelation zwischen der Sterblichkeitswahrscheinlichkeit und der Körpergröße auch heraus, dass eine geringere Körpergröße auch mit einer höheren Wahrscheinlichkeit bestimmter Todesurasachen, wie Atemwegs- und Herz-Kreislauf- Erkrankungen oder Tuberkulose korreliert war. Marmot, Chipley und Rose (1984) führten eine vergleichbare Untersuchung in Großbritannien durch und kamen zu ähnlichen Ergebnissen.117 Auch hier war die Körpergröße der untersuchten 17530 Beamten signifikant negativ mit ihrer Sterblichkeitswahrscheinlichkeit korreliert.118 Die Körpergröße scheint aber nicht nur mit dem Gesundheitsstatus, sondern ebenso mit dem Niveau der Arbeitsproduktivität und dem Lohnniveau und ebenso mit den Erfolgschancen auf dem Heiratsmarkt und bei den Präsidentschaftswahlen in den USA nachweislich signifikant positiv korreliert zu sein.119