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CRONOGRAMA DE ACTIVIDADES PROYECTO PARQUE METROPOLITANO LOS LAGOS DE LA PRADERA

dt = Días totales de apertura del parque

CRONOGRAMA DE ACTIVIDADES PROYECTO PARQUE METROPOLITANO LOS LAGOS DE LA PRADERA

Kürzlich platzierte das Center for Consumer Freedom (CCF) eine Reihe von Werbespots im amerkanischen Fernsehen. Darunter zeigte ein Film eine Figur aus der Comedy Show Seinfeld, den sogenannten „Soup Nazi“, der in der Serie unliebsamen Gästen seiner Suppenküche mit den Worten „No soup for you!“ die Bedienung verweigert. In besagtem Werbespot mutiert er zum „Food Nazi“ und enthält übergewichtigen Kunden den Service vor: „No food for you! So gross! Salad line! Come back when you’re thinner!“731 Walter Williams, Autor des Magazins Capitalism, hält ein solches Szenario in der Zukunft für nicht vollkommen abwegig. Schließlich gelten bereits in einigen Bundesstaaten sogenannte „Dram Shop“-Gesetze. Schenkt Barpersonal Alkohol an offensichtlich Betrunkene aus, kann es für Verletzungen, die die Betrunkenen in der Folge sich selbst oder anderen zufügen, zivilrechtlich belangt werden. „Applied to food, that law might ban the sale of hamburgers and fries to a fat person, or a mandate that scales be placed in front of cash registers where a customer is weighed prior to a sale. Instead of hamburgers and fries, an overweight customer is offered a tasty salad“, so die denkbare Lebensmittelanalogie. „Is This the America We Want?“, fragt Williams rhetorisch.732

Sullum unterbreitete als Teilnehmer der American Enterprise Institute (AEI)-Konferenz „Obesity, Individual Responsibility, and Public Policy“ dem referierenden Juristen Richard Epstein den als Frage getarnten provokanten Vorschlag: „[W]hat about an annual weigh-in where people are charged for each pound over their ideal weight?“733 Für Anhänger des Fat Acceptance Movement734 wären derartige Szenarien wohl Supergaus. Befürworter der „size rights“ lehnen bereits Kostenumwälzungen auf Übergewichtige in Form von höheren Versicherungsbeiträgen ab. Sogar der selbst übergewichtige Brownell, der in „Bias, Discrimination, and Obesity“ resümierte, dass Diskriminierung gegen adipöse Individuen

730 Warner „The Food Industry Empire Strikes Back“ 2005: C1.

731 Siehe CCF „No soup for you!“ o.D.: <www.consumerfreedom.com/advertisements_detail.cfm?ad=39>. 732 Williams „Is This the America We Want?“ 2003: <www.capmag.com/article.asp?ID=2855>.

733 AEI „Transcript. Conference. Obesity, Individual Responsibility, and Public Policy“ 2003: <www.aei.org/events/eventID.330,filter.economic/transcript.asp>.

bedauerlicherweise in vielen Bereichen des Alltags „sehr real“ sei735, wurde als Pionier der Fettsteuer zur Zielscheibe der Fat Acceptance-Aktivisten – „[for] fueling a culture that villifies fat people“ sowie „[for] denigrating fat people“.736 Da Übergewichtige im Gegensatz zu Rauchern die Mehrheit der amerikanischen Bevölkerung stellen, genießt das Fat Acceptance Movement weitverbreitete Sympathien.

Dieses generelle Wohlwollen wird in vielen Bereichen des Lebens sichtbar, in denen übergewichtige Amerikaner in der jüngsten Vergangenheit ihre Interessen haben durchsetzen können. Nicht immer erfolgten die Umstellungen auf „plus-size“ reibungslos, wie das Beispiel der Fluggesellschaften zeigt. Neben den üblicherweise bereits vorhandenen Erweiterungssitzgurten in Flugzeugen werden mittlerweile auch breitere Sitze gefordert, die dem anschwellenden Körpergewicht der amerikanischen Bevölkerung Rechnung tragen. Als sich jedoch die Fluggesellschaft Southwest Airlines im Sommer 2002 darauf besann, ihre schon seit 1980 bestehende „customer of size“ (COS)-Regelung737 fortan strikt durchzusetzen, handelte sie sich eine Reihe von Klagen wegen Diskriminierung ein. Gemäß der COS-Regel werden Reisenden, die de facto zwei Sitze in Anspruch nehmen, auch zwei Sitze in Rechnung gestellt. Der Armlehnentest soll die „customers of size“ unter den Fluggästen eindeutig identifizieren und Vorwürfen der willkürlichen Handhabung entgegenwirken: Sprengen Kunden die Sitzbreite von knapp über vierzig Zentimetern zwischen den Armlehnen, unterliegen sie der Regelung. Ist der Flug nicht überbucht, erhalten sie den vorab geleisteten Betrag auf Antrag zurück. Die Fluggesellschaften begründen diese Maßnahme mit Beschwerden von normalgewichtigen Kunden, die aufgrund eines übergewichtigen Sitznachbarn nicht in den vollen Genuss ihres Sitzes kommen. Die Kläger konnten ihr Anliegen vor Gericht bislang nicht durchsetzen.738 Schützenhilfe erhielten die Fluggesellschaften darüber hinaus von den Urhebern eines Briefes an das American Journal of Preventive Medicine. Andrew Dannenberg et al. verwiesen darin auf enorme Treibstoffmehrkosten und zusätzliche Emissionen, die eine durchschnittliche

735 Siehe Puhl & Brownell „Bias, Discrimination, and Obesity“ 2001: 801.

736 Lawrence „Look out Junk-Food Junkies, Here Comes the Twinkie Tax“ 1998: 1; McElroy „The Food Fascists“ 2000: <www.lewrockwell.com/mcelroy/mcelroy16.html>.

737 Siehe Southwest Airlines „Customer of Size Q&A“ o.D.: <www.southwest.com/travel_center/cos_qa.html>; auch andere Fluggesellschaften (US Airways, Northwest Airlines, America West Airlines, Midwest Connect) verfahren nach demselben Prinzip.

738 Siehe Fitzpatrick „Airline Making Heavyset Flyers Buy Extra Seat“ 2005: <www.post- gazette.com/pg/05072/470035.stm>; o.V. „Southwest Sued over ‚Large-Passenger‘ Policy“ 2004:

<www.usatoday.com/travel/news/2004-08-27-swa-large_x.htm>; eine übergewichtige Klägerin, die aufgrund einer Zahlungsverweigerung von Sicherheitskräften aus einem Flugzeug eskortiert worden war, verband die Vorwürfe der Diskriminierung auf der Basis des Gewichts mit Vorwürfen des Rassismus und Sexismus. Schwarze Frauen litten überdurchschnittlich unter der COS-Regel, so die Klägerin.

Gewichtszunahme der Flugkundschaft um zehn Pfund innerhalb der letzten Dekade nach sich gezogen hat. Überlegungen eines Treibstoffaufpreises für übergewichtige Kunden – in den Worten Dannenbergs „to transport this additional adiposity“ – kursierten im Anschluss an die Veröffentlichung des Briefes im Oktober 2004; schließlich würde Übergepäck aus demselben Grund in Rechnung gestellt.739 Bisher haben sich aus diesen Gedankenspielen keine konkreten finanziellen Konsequenzen ergeben.

Neben den öffentlichen Verkehrsmitteln können auch öffentliche Gebäude wie Kinos, Sportstadien und Restaurants die übergewichtige Kundschaft nicht mehr adäquat unterbringen – zu klein und filigran sind die Sitze mittlerweile in Relation zur Klientel. Beschwerden übergewichtiger Gäste und Bemühungen, ihnen entgegenzukommen, sind auch hier die Folge. So reagierte die Restaurantkette Olive Garden bereits in den späten 1980ern auf die Reklamation eines einzigen übergewichtigen Kunden mit der Umrüstung aller Filialen landesweit.740 Greg Critser bemängelt in Fat Land eben jenes „easing of painful, if traditional, boundaries“.741 Ein ähnliches Entgegenkommen erfahren Übergewichtige bei der Auswahl von Kleidung. „Vanity sizing“742 benennt das schmeichelhafte aber letztendlich trügerische743 Verfahren, immer größere Kleidungsstücke per Etikett als immer kleinere Größen zu deklarieren. Stehen Übergewichtige zu ihren Pfunden, so bleibt ihnen immer noch der Griff zu Stretchmaterialien, Baggy-Style und „Multiple X“-L-Größen. Findige Unternehmensgründer wie Ashley Stewart744 haben Übergrößen als lukrative Nische entdeckt; die bekannten Hersteller erweitern ihre Sortimente in diesem Sinne. „[P]hysical reminders of one’s excess girth are critical“, gibt Critser auch hier zu bedenken. Der „belt effect“ eines zu eng sitzenden Kleidungsstückes sowie ein „tight little chair“ seien Frühwarnsysteme, die in einer Kultur der Grenzenlosigkeit nicht getilgt werden dürften.745 Angesichts derartiger Äußerungen verwundert es nicht, dass der Jurist Paul Campos mit einem Skript, das sich dem Critsers Beschreibungen adipöser Menschen inhärenten (latent rassistischen) Voyeurismus

739 Siehe Dannenberg, Burton & Jackson „Economic and Environmental Costs of Obesity“ 2004: 264; vgl. Higgins „Larger Americans Pinch Airlines’ Pockets“ 2004: C10.

740 Der Kunde besann sich in der Zeit des Wartens auf passende Sitzgelegenheiten indes eines Besseren und reduzierte sein Gewicht, wie er dem Unternehmen in einem Dankesbrief mitteilte (siehe Critser Fat Land 2003: 30f, 62).

741 Critser Fat Land 2003: 30f.

742 Erste Erwähnung in Hull „Shoe Styles of the Rich and Famous“ 1988: 1D.

743 Anscheinend ist bislang niemand auf die im Kontext der „litigation explosion“ naheliegende Idee gekommen, Kleidungsanbieter wegen Betrugs, wegen des Vermittelns eines falschen Gefühls der Schlankheit, gerichtlich zu belangen. Auf eine dementsprechende Anregung von Seiten der Autorin vorliegender Arbeit reagierte Banzhaf indes nicht (From: Gartz ([email protected]); To: Banzhaf ([email protected]); Banzhaf

([email protected]); Subject: just a thought; Sent: 12.10.2005). 744 Ashley Stewart (www.ashleystewart.com).

widmet, zum „keynote speaker“ der National Association to Advance Fat Acceptance (NAAFA) Convention des Jahres 2003 wurde.746

Auch wenn Übergewichtige auf medizinische Hilfe angewiesen sind, treffen sie auf zahlreiche Unzulänglichkeiten: Sie sprengen die Dimensionen von Krankenhausbetten, Baren, Waagen, Rollstühlen, Gynäkologenstühlen, OP-Tischen, Scanner-Röhren etc. Darüber hinaus sind sie auch im Gesundheitswesen nicht vor mangelnder Sensibilität gefeit, wie Richard Perez-Pena und Grant Glickson in ihrem in der New York Times veröffentlichten Artikel „As Obesity Rises, Health Care Indignities Multiply“ feststellen mussten.747 Aktivisten fordern diesbezüglich Abhilfe, damit nicht diejenigen, die in besonderem Maße auf medizinische Betreuung angewiesen sind, deren Inanspruchnahme scheuen. Damit Übergewichtige nicht nur in Würde leben, sondern auch in Würde beigesetzt werden können, haben sogar Sargmanufakturen mittlerweile ihr Produktsortiment um Übergrößen, die bis zu einen halben Zentner fassen können, erweitert. Denn auch Krematorien stoßen – wie die Grabparzellen selbst – an die Grenzen ihrer althergebrachten Kapazitäten.748

Fernab solch makabrer Schauplätze werden Aspekte des Dickseins auch geradezu zelebriert. Fett wird zum Fetisch. Partnerbörsen haben sich darauf spezialisiert, (meist männliche) „Fat Admirers“ mit (meist weiblichen) Vertretern der Kategorie „Big and Beautiful“ zusammenzuführen.749 Zeitschriften und Online-Magazine bedienen eine übergewichtige Klientel – Figure erwachsene Frauen, www.extrahip.com weibliche Teenager und junge Frauen.750 Die Szene verfügt über ihre eigenen Fitnessköniginnen (z.B. Kelly Bliss) und Models (z.B. Katie Arons). In Ferienresorts wie dem mexikanischen Freedom Paradise bleiben Übergewichtige unter sich und genießen „size-friendly“-Einrichtungen von begehbaren Pools und Duschen bis hin zu stabilen Hängematten und Betten. Unter dem

746 Siehe Campos „Fear and Loathing in Los Angeles“ 2004: <www.naafa.org/Newsletters/Winter2004.html>; Campos unterstellt darin Journalisten wie Critser „an almost pornographic air of fascination [with fat people]“; ironischerweise wirft Critser eben jenen Hang zum Voyeurismus und Fetischismus im Gegenzug Akademikern wie Campos vor: „[T]he tendency of many in the academy was to fetishize […] the problem“ (Critser Fat Land

2003: 117).

747 Siehe Perez-Pena & Glickson „As Obesity Rises, Health Care Indignities Multiply“ 2003: A1; vgl. Schwartz et al. „Weight Bias among Health Professionals Specializing in Obesity“ 2003: 1033-1039.

748 Siehe Cameron „The Very Big Sleep“ 2005: 26-27; Koydl „Wenn das letzte Hemd kneift“ 2003: 12. 749 Siehe Large and Lovely Connections (www.largeandlovely.com), BBWDatefinder.com

(www.bbwdatefinder.com), ChubbyFishing.com (www.chubbyfishing.com)…; eine extreme Form dieser Bewunderung stellt „feederism“ dar – die Ermutigung des (Sexual)-Partners zur massiven Gewichtszunahme. Gegen diese Praxis verwahrt sich das Mainstream-Fat Acceptance Movement (siehe NAAFA „Policy against Feederism“ 2004: <www.naafa.org/documents/policies/feederism.html>).

750 Siehe Figure (www.figuremagazine.com): „Figure appreciates every woman for her achievements and individuality, for her beauty inside and out“; Extra Hip (www.extrahip.com): „dedicated solely to the millions of young plus-size women in America“.

Banner „size-friendly“ bieten Reiseunternehmer mittlerweile auch Tauchkurse, Kreuzfahrten etc. an.751 Bei Fresswettbewerben wie denen, die von der International Federation of Competitive Eating752 ausgerichtet werden, konkurrieren schwergewichtige Amerikaner mit japanischen Leichtgewichten um die vorderen Plätze.

Sogar die Populärkultur berücksichtigt zunehmend die Weltanschauung der Dicken, und Medienschaffende überdenken allmählich die sowohl quantitative als auch charakterliche Dominanz schlanker Figuren. Die Talkmaster Oprah Winfrey, Roseanne Barr und Rosie O’Donnell sind ebenso bekannt für ihre Fernsehauftritte wie für ihr stark fluktuierendes Gewicht. Die Schauspielerin Kirstey Alley, die ob ihrer steten Gewichtszunahme seit den letzten filmischen Erfolgen in den späten 1980ern viel Spott über sich hat ergehen lassen müssen, ging kürzlich mit der quasi-autobiographischen TV-Serie Fat Actress und Werbespots für Diätprodukte der Marke Jenny Craig in die Offensive. Internetforen sind voll der Sympathiebekundungen für das noch meist auf weibliche Prominente beschränkte Phänomen des Diät-Coming Out. Ferner mimen753 die für gewöhnlich gertenschlanke Schauspielerin Gwyneth Paltrow und der ansonsten athletisch gebaute Akteur Eddie Murphy in Shallow Hal respektive The Nutty Professor Übergewichtige, die den schlanken Objekten ihrer Begierden deren eigene Oberflächlichkeit vor Augen führen.754 In What’s Eating Gilbert

Grape werden die Entbehrungen und Erniedrigungen des Alltags thematisiert, die einer

schwer adipösen Frau (dargestellt von der auch im wahren Leben krankhaft fettleibigen Schauspielerin Darlene Cates) widerfahren – wieder in Abgrenzung zur auf Äußerlichkeiten fixierten, sensationslüsternen Umwelt, die in der Fettleibigen eine Art Zirkusattraktion oder Freak sieht.755 In Helen Fieldings international erfolgreichen Bridget Jones-Büchern und deren Verfilmungen begleitet der Leser bzw. Zuschauer das Oszillieren zwischen den Polen der Selbstdisziplin und der Nachlässigkeit und die damit verbundenen Höhen und Tiefen – auf der Waage und im Leben der Bridget Jones. Neben den fiktiven Tagebüchern einer Bridget Jones halten derzeit reale „weight memoirs“756 Einzug in die Bestsellerlisten, die den

751 Siehe Munker „Spaß in der Masse“ 2005: <www.sueddeutsche.de/reise/artikel/151/57094>. 752 International Federation of Competitive Eating (IFOCE; www.ifoce.com).

753 Campos beschreibt diese „fat drags“ in „fat suits“ als eine moderne Version der „minstrel show“ (Campos

TheObesity Myth 2004: 83ff); auch Marisa Meltzer stellt in „Hollywood’s Big New Minstrel Show“ den Zusammenhang her: „It’s not like there’s a dearth of fat actresses out there. [T]he crux of the joke is not the latex suit’s physical fakeness but the ephemeral nature of the thin actor posing as fat“ (Meltzer „Hollywood’s Big New Minstrel Show“ 2001: <www.bitchmagazine.com/archives/12_01fatsuit/fatsuit.shtml>).

754 „Fat Actress“ (Showtime); Shallow Hal. Bobby und Peter Farrelly. 2001; The Nutty Professor. Tom Shadyac. 1996.

755What’s Eating Gilbert Grape. Lasse Halström. 1993; vgl. Darlene Cates (www.geocities.com/Hollywood/Heights/1787).

Frustrationszyklus aus Völlerei und Fasten, das Hin- und Hergerissensein zwischen

Selbstakzeptanz und dem Streben nach dem gängigen Schlankheitsideal zum Thema haben.757

Die vorangegangen Erläuterungen belegen die Dominanz von Frauen im Fat Acceptance Movement. Das radikale Fat Acceptance Movement duldet freilich keine Diät. Alljährlich wird im Mai der International No Diet Day zelebriert. „Fat Is a Feminist Issue“, verkündete bereits 1978 die Anti-Diät-Aktivistin und spätere Prinzessin Diana-Therapeutin Susie Orbach in ihrem gleichnamigen Bestseller.758 Weibliche Essstörungen – gleich welcher Richtung – haben demnach ihren Ursprung in einer patriarchalisch geprägten Kultur. Sie seien Ausdruck einer unbewussten Rebellion gegen das andere Geschlecht. Ob ihre vor dem Hintergrund der Emanzipationsbewegung der 1970er entstandenen Ausführungen noch auf die heutige Zeit anwendbar sind, ist zweifelhaft. So fragt denn auch der Guardian angesichts der gegenwärtigen Fülle übergewichtiger Männer: „What about fat men? Is male fat a feminist issue too?“759

Für Morgan Spurlock ist Fett in der Nahrung und am eigenen Körper Teil eines Experiments, eines vorübergehenden Ausflugs in eine ihm fremde Welt – die der Dicken. Für seinen in Super Size Me filmisch dokumentierten Selbstversuch entsagt er zeitweilig jeglicher Selbstdisziplin. Sein Film bestätigt somit lediglich die Binsenweisheit, dass Völlerei (im Rahmen einer einmonatigen ausschließlichen McDonald’s-Verköstigung) gekoppelt mit absoluter Bewegungsabstinenz zu deutlicher Gewichtszunahme und einer besorgniserregenden Verschlechterung des Gesundheitszustandes führt, und nicht etwa die Existenz eines „toxic food environment“, das Übergewichtige von ihrer Verantwortung entbindet.760 Anstelle einer Apologie bietet der Streifen mit dem vielsagenden Untertitel „A Film of Epic Proportions“ in Nah- und Detailaufnahmen voyeuristische Blicke auf adipöse Körper und despektierliche Zeichentricksequenzen. Spurlock ist nicht der „Robin Hood der Übergewichtigen“761, der er vorgibt zu sein. „‚Super Size Me‘ Serves Hefty Dose of Bias“,

757 Das neue Reality TV-Genre der „Extreme Makeover“-Serien (ABC) baut hingegen auf die völlige Selbstablehnung. In ihnen mutiert das hässliche Entlein unter professioneller Aufsicht zu „The Swan“ (Fox); Unscheinbare gelangen zu einem „Famous Face“ (MTV) und Body. Denn auch der Körper wird einer

Generalüberholung unterzogen. Wer sein korpulentes Ego am widerwilligsten aufgibt, wird zum „Biggest Loser“ (NBC) gekürt.

758 Siehe Orbach Fat Is a Feminist Issue 1978.

759 Wilson „A Quick Reminder“ 2005: <www.guardian.co.uk/gender/story/0,11812,1589335,00.html>. 760 Zwei Amerikaner traten 2005 mit kaum beachteten Dokumentarfilmen (Soso Whaley’s Me & Mickey D, Chazz Weaver’s Down Size Me) den Gegenbeweis an. Sie setzten sich – abgesehen von körperlicher Ertüchtigung unterschiedlicher Intensität – denselben Bedingungen wie Spurlock aus, erlitten dabei keinerlei körperliche Beeinträchtigungen und reduzierten sogar ihr Gewicht (siehe Fields „Downsizing the ‚Victim‘“ 2004: A21; Higgins „Downsized at McDonald’s“ 2004: C13; Chazz Weaver’s TruthinFitness.org

(www.truthinfitness.org)).

klagt dementsprechend auch die National Association to Advance Fat Acceptance (NAAFA)- nahe Internetplattform www.tolerance.org.762

Im Jahr 1981 bemängelte Faith Fitzgerald in der Zeitschrift Annual Review of Medicine, „that the public derision and condemnation of fat people is one of the few remaining sanctioned social prejudices in this nation freely allowed against any group based solely on appearance“.763 Ein Vierteljahrhundert später bestätigt John Tierney in der New York Times den Fortbestand dieser Praxis. Vorurteile gegenüber Übergewichtigen seien wohl die letzten gesellschaftlich legitimierten Vorurteile, deren Äußerung keinen Verstoß gegen die Maxime der politischen Korrektheit darstelle, so Tierney.764 Da Übergewichtige mehrheitlich ethnischen Minoritäten entstammen, können alte Ressentiments in neuem Gewande fortbestehen. Diese Ansicht teilt Jonah Goldberg vom National Review keineswegs. Er moniert „the growing trend of treating the hefty as a new identity-politics group with special rights. Want to create an incentive to eat properly? […] Promote charging by weight for airlines – and by size for clothing“.765 Würden Unternehmen diesem Aufruf folgen, manövrierten sie sich damit ins finanzielle Abseits. Denn „plus-size“ ist eine Wachstumsbranche. Das Magazin Entrepreneur hat bereits zwei Jahre in Folge Übergewichtige unter die „Hot Markets“ gewählt. „The overweight consumer is very brand loyal but is also very vocal“.766 Anteile am Profit sichern sich die Unternehmen also nur, wenn sie ihrer übergewichtigen Klientel Respekt zollen. Vollkommen nüchtern erörtert auch das Magazin Forbes die lukrative Strategie „Investing in Obesity“. Man solle in Diät- und Fitnesskonzerne investieren, aber auch in „companies that support overindulgent lifestyles“. Die ideale Kombination böte die Firma Unilever, die sowohl Eiscreme der Firma Ben &

762 Siehe Maschal „‚Super Size Me‘ Serves Hefty Dose of Bias“ 2004: <www.tolerance.org/news/article_tol.jsp?id=1051>.

763 Fitzgerald „The Problem of Obesity“ 1981: 223.

764 Siehe Tierney „Fat and Happy“ 2005: A13; vgl. Kassirer & Angell „Losing Weight“ 1998: 52-54: „In this age of political correctness, it seems that obese people can be criticized with impunity, because the critics are merely trying to help them. Some doctors take part in this blurring of prejudice and altruism“ – Intoleranz zur

Nächstenliebe verklärt.

765 Goldberg „The Anti-Big Mac Attack“ 2002: 27f; vgl. Levenstein Paradox of Plenty 2003: 249: „Fat people took a leaf from the pages of other denigrated groups and organized pressure groups to fight invidious

stereotypes of them. They added their bit to the mania for ‚political correctness‘ by attacking ‚lookism‘ and warned against using language that demeaned them“.

766 Penttila & Torres „Hot Markets for 2004“ 2003: <www.entrepreneur.com/article/0,4621,311844,00.html>; vgl. Pedroza & Pennington „Hot Markets for 2003“ 2002:

Jerry’s als auch Slim Fast-Produkte vertreibt. „It’s disheartening to be sure“, schickt das Magazin Forbes den Ausführungen voran – aber Geschäft sei schließlich Geschäft.767